Windenergiemesse
Wind-Jammer in Husum

Vestas, Nordex, Suzlon - die Liste der Windanlagenhersteller, die rote Zahlen schreiben, ist lang. Ab heute kommt die Branche zum größten Branchentreff Deutschlands in Husum zusammen. Für viele geht es um die Existenz.
  • 6

DüsseldorfIm vergangenen Jahrzehnt wurden die Windradbauer mit Wachstumsraten von durchschnittlich 30 Prozent verwöhnt. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute sieht die Lage ganz anders aus. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt nur noch um rund 20 Prozent. Und der Marktforscher Make Consulting hat errechnet, dass die weltweite Nachfrage nach Windturbinen im ersten Halbjahr dieses Jahres um 30 Prozent eingebrochen ist.

„Im nächsten Jahr wird es erstmals seit Bestehen der Branche einen deutlichen Rückgang der Neuinstallationen geben“, prophezeit Andreas Reuter, Institutsleiter am Fraunhofer Institut für Windenergie und Systemtechnik (IWES) in Bremerhaven.

Langfristig erwartet zwar etwa die Commerzbank wieder ein Wachstum in der Branche. Doch mit sieben Prozent dürfte das wesentlich geringer als zu den besten Zeiten des Windbooms ausfallen.

Vor allem die deutschen Windkraftanlagenhersteller sind sehr exportorientiert. Laut aktuellen Zahlen des Verbands deutscher Anlagen und Maschinenbauer VDMA gehen zwei Drittel der Anlagen ins Ausland. Und das wird den Herstellern nun zum Verhängnis. Experten rechnen damit, dass der amerikanische Markt Ende des Jahres einbrechen wird, weil eine für die Windbranche wichtigen Subvention ausläuft.

Auch in China könnten in den nächsten Jahren deutlich weniger Anlagen installiert werden - das Land hat Probleme beim Netzausbau. Hinzu kommen die auf Grund der schlechten Lage der Banken und der angespannten europäischen Wirtschaft stark geschrumpften Finanzierungsmöglichkeiten.

Reuter rechnet damit, dass vor allem die kleineren Unternehmen, entweder übernommen werden oder eingehen. „Die besten Überlebenschancen haben die Unternehmen, bei denen die Windenergie nur einer der Geschäftsbereiche ist, wie etwa Siemens oder Alstom“, sagt Reuter.

Den Windradbauern stehen jedenfalls noch harte Zeiten bevor. Denen begegnen sie unterschiedlich. Manche lassen sich auf den Preiskampf im Massenmarkt ein, etwa General Electrics (GE) aus den USA. Sie nutzen ihre international vernetzte Einkaufsmacht, um die Preise zu drücken. Siemens, Nummer Neun unter den Windkraftanlagenherstellern weltweit, will die Produktion straffen. Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ sagte Felix Ferlemann, Chef der Windenergiesparte bei Siemens: „Die Kosten müssen jedes Jahr um fünf bis zehn Prozent sinken“. Die Produktion solle nach dem Vorbild der Autoindustrie auf Serienfertigung und Plattformstrategien umgestellt werden.

Seite 1:

Wind-Jammer in Husum

Seite 2:

Zurückhaltung im Offshore-Bereich

Kommentare zu " Windenergiemesse: Wind-Jammer in Husum"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Traumtänzerei!!
    Ich wohne über 12 Jahre in Polen. Hier haben wir immer noch
    die Carbonzeit, mit allen ihren schrecklichen Auswirkungen.
    Da kommt mir die Atomzeit in Deutschland wie im Schlaraffenland vor!!!!!!

  • Man sollte endlich damit aufhören, aus politischer Traumtänzerei heraus Illusionen zu verbreiten und dafür das nicht vorhandene Steuerzahler-Eigengeld zu verbrennen mit der Folge weiter wachsender Staatsschulden oder noch weiterer Strompreiserhöhuingen.
    Das Mass ist voll : Der Verbraucher kann nicht den EURO-Wahnsinn abdecken und zusätzlich zu wachsender Begehrlichkeit öffentlicher Haushalte auch noch Preiserhöhungen, die von der Politik induziert werden. Ich bin für Gas# und Kohlekraftwerke, wenn das günstiger ist als Solar, Wind etc.

  • Marktwirtschaftliche Grundsätze und Regeln werden von Ideologen nicht beachtet. Die sogen. Energiewende wird durchgezogen, koste es was es wolle. Wenn die Windkraft-Investoren mit den bestehenden Subventionen nicht auskommen, werden diese eben erhöht. Man kann die Kosten ja auf die Stromrechnungen für Mittelständler und Haushalte aufschlagen. Und wenn eine große Zahl von Haushalten ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können, wird auch das subventioniert. In unserer Energiewirtschaft ist inzwischen mehr Planwirtschaft als in derjenigen der DDR. Honecker hatte schon Recht: "Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf."

    Mit der Energiewende geht es wie mit der Eurorettung. Wir glauben an den Endsieg. Auch dieses Mal werden wir uns irren, aber wir lernen nichts dazu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%