Windkraft-Industrie: Vestas senkt erneut Prognose

Windkraft-Industrie
Vestas senkt erneut Prognose

Der dänische Konzern kalkuliert für das Jahr 2011 nun statt 6,4 nur noch 6 Milliarden Euro Umsatz. Grund seien verzögerte Projektabschlüsse. Ein Gewinn werde für das vergangene Jahr nicht herauskommen.
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AarhusTrotz Atomwende häufen sich die schlechten Nachrichten aus der Branche der erneuerbaren Energien: Nach Verlusten und Pleiten bei Solarfirmen schockierte nun der weltgrößte Windturbinenbauer Vestas mit seiner Ankündigung, 2011 in die roten Zahlen geraten zu sein. Das wirft ein Schlaglicht auf die immer noch ungelösten Probleme der Branche, die unter Kampfpreisen, steigenden Personalkosten und hohen Kapitalanforderungen beim kostspieligen Bau von Windparks auf hoher See leidet. Der Vestas-Vorstand nannte Umsatzeinbußen und höhere Kosten vor allem bei der Entwicklung eines Turbinentyps als Grund.

An der Börse sorgte die Nachricht am Mittwoch für teils herbe Kursverluste bei den Windturbinenbauern: Während die Vestas-Aktie um 21 Prozent auf ein Achteinhalb-Jahres-Tief rauschten, verloren Nordex, der spanische Konkurrent Gamesa und die indische Suzlon mit ihrer Tochter Repower jeweils mehr als zwei Prozent. Händler befürchteten, dass wie schon bei Vestas auch bei Nordex Projektverzögerungen auf die Bilanz durchschlagen könnten. Sie verwiesen allerdings auf prall gefüllte Orderbücher, die Anlass zur Hoffnung gäben.

Nordex - zunehmend unter Einfluss der BMW -Großaktionärin Susanne Klatten - bekräftigte indes seine bereits zweimal gekappten Jahresziele: Demnach erwarten die Hamburger wie Vestas inzwischen einen Verlust nachdem sie zunächst einen Gewinn angekündigt hatten. Der Preisverfall infolge von Überkapazitäten hatte den Konzern im vergangenen Jahr zu einem umfassenden Konzernumbau gezwungen, dem auch 260 Stellen - 220 davon in Deutschland - zum Opfer fielen. Der Vorstand hofft nun nach Abschluss des Kostensenkungsprogramms, 2012 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Der Klatten-Fonds hält knapp unter 25 Prozent an Nordex.

Der dänische Branchenprimus Vestas erwartet 2011 nun einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro, eine Milliarde weniger als ursprünglich geplant. Zudem rechnet der Vorstand nicht mehr mit einem operativen Gewinn (Ebit). Noch im Oktober hatte Vestas schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Allerdings hatten die Dänen schon damals gewarnt, dass die Ebit-Marge nur bei vier Prozent und nicht wie zuvor geplant bei sieben Prozent liegen werde. Weitere Details sollen mit der Bilanz am 8. Februar veröffentlicht werden.

Auch die weltweite Solarbranche kämpft mit Überkapazitäten und Preisverfall - vor allem angetrieben durch die stark expandierenden chinesischen Unternehmen. Nach diversen Pleiten in den USA mussten zuletzt der deutsche Solarpionier Solon und der Kraftwerksentwickler Solar Millennium Insolvenz anmelden. Ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Experten erwarten 2012 eine Fortsetzung der Konsolidierungswelle. Zum Jahresauftakt hatte bereits die chinesische LDK angekündigt, Sunways aus Konstanz übernehmen zu wollen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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