Windreich ist pleite: „Ich habe alles gegeben“

Windreich ist pleite
„Ich habe alles gegeben“

Deutschlands Marktführer bei Windpark-Projekten auf hoher See ist zahlungsunfähig. Windreich-Gründer Willi Balz hat Insolvenz eingereicht. Damit ist auch ein hoher Kredit bei der Schweizer Bank Sarasin ausfallgefährdet.
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DüsseldorfDer Windprojektierer Windreich ist pleite. Das Unternehmen, das als Projektentwickler verantwortlich für den Aufbau von Offshore-Windparks in Deutschland ist, hat beim Amtsgericht Esslingen Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt. Das bestätigte das Amtsgericht auf Anfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, war am Montagabend für eine weitere Stellungnahme aber nicht erreichbar. Durch die Zahlungsunfähigkeit ist auch ein 70 Millionen-Euro-Kredit bei der Schweizer Privatbank Sarasin ausfallgefährdet. Die Bank will dazu auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

„Ich trage es mit Anstand, ich habe alles gegeben“, sagte Windreich-Gründer Willi Balz zu Handelsblatt Online. Balz sagte weiter, dass er sich mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsführung von Windreich zurückgezogen habe.

Balz habe bereits Ende vergangener Woche nach dem neuen Insolvenzrecht eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt und zumindest vorläufig auch bewilligt bekommen, hieß es am Montagabend in einer Mitteilung des Unternehmens. Als Sachwalter sei der Stuttgarter Anwalt Holger Blümle berufen worden.

Neuer alleiniger Geschäftsführer sei Werner Heer, der bisher Berater der Gesellschaft gewesen sei. Heer habe zuletzt den Windradbauer Fuhrländer durch eine Insolvenz in Eigenverwaltung geführt, teilte Windreich mit. Mit seinem Rückzug mache Balz den Weg frei für einen erfolgreichen Abschluss der weit vorangeschrittenen Finanzierungsgespräche für den Offshore-Windpark MEG I. Der MEG I-Windpark werde im Bereich der Deutschen Bucht, in einer Entfernung von ca. 45 Kilometer nördlich von Borkum errichtet.

„In den Gesprächen mit unseren Investoren wurde deutlich, dass ein Managementwechsel Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung unserer Gespräche ist“, erklärte Heer. Man werde sicherstellen, dass die Projektgesellschaft MEG I von der Windreich-Sanierung unberührt bleibe. In den kommenden Wochen würden Heer und das Management ein Sanierungskonzept erarbeiten und dieses dem vorläufigen Sachwalter zur Prüfung vorlegen und anschließend den Gläubigern und Investoren vorstellen, hieß es in der Mitteilung.

Kommentare zu "„Ich habe alles gegeben“"

Alle Kommentare
  • Windreich ist jetzt Mitten in der Fertigstellung des Offshore Windpark Global Tech 1, und danach soll mit dem Aufbau des Offshore Windparks MEG 1 begonnen werden. Der Bau der Windparks wurde wohl anderweitig finanziert, die Anleihen sollten nur die Windreich Planungskosten abdecken.
    Jetzt muss Windreich die Windparks beide zwingend verkaufen. Nachdem EON & Co. sich schon aus dem Offschore Windgeschäft verabschiedet haben, wird es schwer noch einen Käufer zu finden.

  • Fortschritt und Innovation ohne Pioneerunternehmer gubt es nicht. Balz hat was aussergewöhnliches geschaffen. Das Gejammer mit den Anleiheverlusten wird jetzt zunehmen. allerdings muss jdeder der ehrlich ist zugeben, dass das Risiko hier von Anfang offensichtlich war.

    Mit Windparks im Hundsrueck hat das glaube ich nicht viel zu tun.

  • @Paula_F
    Die EE werden letzlich nur Erfolg haben können, wenn es eine billige und effektive Speichermöglichkeit gibt. Wobei die Betonung auf billig und effektiv liegt (das und unterstrichen!)
    Eine solche Speicherung gibt es aber (noch) nicht, der Wirkungsgrad entscheidet letztlich über den Erfolg der EE und zwar so lange, wie es eine ökonomisch
    günstigere Versorgung gibt. Der Chef der Eon gab zuletzt in einem Artikel in HB an, dass bei der Methanisierung 42% der ursprünglichen Energie (Electricity
    to Gas) verlorengehen. Man darf davon ausgehen, wenn das Methan wieder verstromt wird, wird ein ähnlich hoher Energieanteil verloren gehen. Unproblematisch
    sind leider auch Pumpspeicherwerke (Kapazitäten) und Wasserstoff nicht. Wasserstoff ist das leichteste Element im Peridodensystem und lässt sich praktisch nicht
    langfristig in Tanks abfüllen. Es verflüchtigt sich durch die metallische Tankwand und die Dichtungen, deshalb entleert sich der Tank von Wasserstoffautos von selbst.
    Man hätte zuerst ein praktizierbares Gesamtkonzept erstellen müssen, bevor man in das Großexperiment "Energiewende" einstieg, nach dem Motto "Erst grübeln, dann
    dübeln" - und nicht umgekehrt).
    Letztlich rettet Deutschland mit dem EEG auch nicht das Klima. Googeln Sie mal "BP Energy to the World", dann finden Sie eine Excel-Tabelle bzgl. des globalen Klimaaus-
    stosses. D hat von 2002 bis 2012 den Ausstoss von CO2 immerhin um 85 Mio Tonnen reduziert. Gleichzeitig ist der globale Ausstoss aber um 8.500 Mio Tonnen angestiegen.
    Die deutschen Bemühungen machen somit 1% Begrenzung des globalen Anstiegs aus. Und mit der Konzeptlosigkeit des EEG ruiniert man letzlich nur die gesellschaftliche
    Akzeptanz für eine gesellschaftliche Grundproblematik. Und wenn Sie sich die Auswirkungen dieses menschenverachtenden Projektes mal in Natura ansehen wollen, lade ich
    Sie dazu ein, einmal die Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks, meiner Heimat, zu besichtigen. Hier sieht man vor lauter Windrädern den Wald nicht mehr.

  • @ Angelika Ich bin - seit 1996 - an mehreren kleinen Windparks beteiligt und kann Ihre Aussage nicht bestätigen. Meine Gesellschaften machen - bis auf 1 Ausnahme - alle gute Gewinne und schütten regelmäßig aus.
    Es kommt darauf an, wer zu welchen Bedingungen den Windpark plant, erstellt und ggfls. zu welchem Preis verkauft. Die Firma Windwärts in Hannover wurde von Iedalisten gegründet und hat sich langsam aus eigener Kraft entwickelt. Die Projekte, die die planen, sind durchdacht und selten schlecht laufend.

  • @PikAs
    Man hätte überhaupt keine politisch diktierte Energiewende benötigt!
    Der Markt einer freien Gesellschaft sorgt von sich aus für die jeweilige Energieerzeugungs Richtung!
    Der Staat bzw. Ideologien haben hier noch nie funktioniert und nur den Abzockern gedient. Das Volk musste unter Ideologien bzw. staatlichen Eingriffen IMMER LEIDEN und dadurch Wohlstandsverlust und Armut hinnehmen.

  • "Hat der Herr Wind nun doch Rechnungen geschickt,..."

    Entweder das, oder DAS
    http://www.youtube.com/watch?v=WrJokm_lDI4
    ist etwas zu oft passiert...! (o:)

  • Die Sonne schickt keine Rechnung. Wind bekanntlich auch nicht. Da frage ich mich, wie dann so eine Firma trotzdem insolvent wird. Hat der Herr Wind nun doch Rechnungen geschickt, am Ende vielleicht sogar Moskau Inkasso.:-)

  • Die Insolvenz wird sicher vielen Leuten Geld kosten. Trotzdem hoffe ich für uns alle, dass Balz wieder zurück kommt. Leute wie ihn braucht es mehr als, sagen wir mal, Middelhoff. Er hat mich immer auch an Wiedeking denken lassen, der für das Werk hier in Leipzig nicht einen Cent Förderung eingestrichen hat. Leute die brennen und nicht nur rechnen. Selbst wenn die Geschichten dann anders ausgehen.

  • „Ich trage es mit Anstand, ich habe alles gegeben“

    Was hat eine Insolvenz mit diesen Begleitumständen mit Anstand zu tun?

    Nachdem er alles gegeben hat, soll er nur noch ein Letztes geben: eine Übersicht seines persönlichen Vermögens und dessen Herkunft.

  • Wer so einen "Geschäftsmann" laufen lässt, dem ist auch Kinderprostitution, Drogen-und Waffenhandel, Enteignung und viele andere Schweinereien egal. Die Nazis durften alles und keiner kam ihnen bei. Was sind dass für Menschen, die anderen Lügen erzählen, ihnen die Existenzgrundlage nehmen und betrügen um selbst auf der Sonnenseite des Lebens stehen zu können.

    Die drei Affen heißen: Legislative, Exekutive und Judikative

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