Windturbinenbauer
Nordex testet den Markt

Die fortschreitende Konsolidierung innerhalb der Branche und die weltweiten Anstrengungen zum Klimaschutz haben die Aktien der Hersteller von Windkraftanlagen beflügelt. Die Großaktionäre des Windturbinenbauers Nordex nutzen nun das günstige Börsenumfeld und leiten den Ausstieg aus dem Unternehmen ein.

DÜSSELDORF. Die Finanzinvestoren Capital Management Partners (CMP) und Goldman Sachs würden einen möglichen Verkauf ihrer Nordex-Aktien prüfen und hätten in diesem Zusammenhang eine Investmentbank mandatiert, teilte Nordex mit. Ob und in welcher Form es zu einem vollständigen oder teilweisen Verkauf kommen werde, sei aber im Moment noch völlig offen, sagte ein Firmensprecher. Mit einem Kursplus von zeitweise fast zehn Prozent war die Nordex-Aktie am Donnerstag bester Wert im TecDax.

Die fortschreitende Konsolidierung innerhalb der Branche und die weltweiten Anstrengungen zum Klimaschutz haben die Aktien der Hersteller von Windkraftanlagen beflügelt. Erst vor wenigen Tagen übernahm der indische Konkurrent Suzlon nach einem harten Übernahmekampf mit dem französischen Atomkonzern Areva den Hamburger Windturbinenbauer Repower. Bereits vor einigen Jahren waren Großkonzerne in die Wachstumsbranche eingestiegen. General Electric aus den USA übernahm Enron, zu dem der deutsche Windradhersteller Tacke gehörte. Siemens kaufte den dänischen Konkurrenten Bonus.

Der Preis, den Suzlon für die Stimmenmehrheit an Repower zahlt, entspricht einer Börsenkapitalisierung von 1,3 Mrd. Euro für das Hamburger Unternehmen – viermal soviel wie vor einem Jahr. Nordex hat aktuell einen Marktwert von fast 1,8 Mrd. Euro und erzielte zuletzt bei 514 Mill. Euro Umsatz ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 16,6 Mill. Euro. Repower schaffte 2006 ein Ebit von 11,2 Mill. Euro bei 462 Mill. Euro Umsatz.

CMP (26,7 Prozent) und Goldman Sachs (17,4 Prozent) sind seit Anfang 2005 an Nordex beteiligt. Zu den insgesamt 44,1 Prozent, die die Großaktionäre halten, könnten noch weitere acht Prozent hinzukommen. Diese Aktien sind zwar im Besitz der HSH Nordbank und der Hypo-Vereinsbank, CMP und Goldman Sachs könnten darüber aber verfügen, sagte der Nordex-Sprecher. Die Finanzinvestoren könnte einem Kaufinteressenten also auch eine Kontrollmehrheit an Nordex anbieten, was den Preis für ihre Aktienpakete noch weiter in die Höhe treiben würde. Üblicherweise wird für den Erwerb der Stimmenmehrheit eine Prämie von mindestens zehn Prozent gezahlt.

Analysten gehen deshalb von aus, dass Finanzinvestoren nur ein geringes Interesse an einem Einstieg bei Nordex haben. Einen ähnlich guten Schnitt wie CMP und Goldman dürften sie kaum machen. Diese waren vor zweieinhalb Jahren, als Nordex noch in einer tiefen Krise steckte, bei Aktienkursen unter drei Euro eingestiegen. Gestern Nachmittag stand die Aktie bei fast 28 Euro. Viel eher dürften strategische Partner aus der Windbranche oder Kraftwerkshersteller wie Alstom oder Areva einen Kauf sondieren. Auch der spanische Baukonzern Acciona will sich bei erneuerbaren Energien verstärken.

Auch Nordex ist gut im Geschäft. Vorstandschef Thomas Richterich will auch in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als die Konkurrenz und den Umsatz bis Ende 2011 auf 2,5 Mrd. Euro verfünffachen. Das entspricht einem Zuwachs von 50 Prozent pro Jahr, während die dänische Beratungsfirma BTM für die gesamte Branche ein nicht einmal halb so schnelles Wachstum annimmt. Die Ebit-Marge von Nordex soll ab 2008 über acht Prozent liegen. Aktuell sind es 3,2 Prozent.

Allerdings steht Nordex in den kommenden Jahren vor der strategischen Herausforderung, den Sprung in die Fünf-Megawatt-Klasse zu schaffen. Diese enorm leistungsstarken Windturbinen speziell für den Einsatz im offenen Meer bauen die Rostocker bisher nicht. Aber selbst Richterich sagt: „Offshore ist die Zukunft.“ Da könnte ein geeigneter Partner Hilfestellung geben.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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