Wingas-Beteiligung
Gazprom will Präsenz in Deutschland ausbauen

Russlands Energieries Gazprom will stärker bei der Vermarktung von Gas in Deutschland mitmischen. Laut einem Agenturbericht soll dies durch die Erhöhung der Beteiligung am deutschen Gashändler Wingas erreicht werden.
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MoskauDer russische Energiekonzern Gazprom will einem Agenturbericht zufolge seine Beteiligung am Gashändler Wingas erhöhen und damit seine Position auf dem deutschen Gasmarkt stärken. Mit dem Schritt wolle Gazprom seinen Marktanteil bei der Vermarktung und der Lagerung von Gas ausweiten, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf Informanten aus der Gasbranche.

Wingas ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Gazprom und der BASF-Tochter Wintershall. Derzeit halten die Russen knapp 50 Prozent an dem Gashändler. Eine Anteilsaufstockung würde sicher die europäischen Wettbewerbsbehörden auf den Plan rufen, die Gazprom zurzeit sowieso kritisch beäugen. In der vorigen Woche leiteten sie ein Verfahren gegen den russischen Gasmonopolisten wegen des Verdachts auf Missbrauch seiner Marktdominanz in Ost- und Mitteleuropa ein. Gazprom stellt rund 30 Prozent der deutschen und rund ein Viertel der europäischen Gasimporte.

Ein Wintershall-Sprecher sagte, das Interesse der Gazprom an einer Aufstockung bei Wingas sei nichts Neues. "Marktgerüchte kommentieren wir aber grundsätzlich nicht", fügte er hinzu. Bei Gazprom war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Gazprom will erklärtermaßen auf dem Gasmarkt in Deutschland Fuß fassen und verhandelte mit dem Versorger RWE über ein europäisches Kraftwerksprogramm. Es kam aber zu keinem Abschluss.

Der Agenturbericht ist die jüngste Spitze in einer Reihe von Sticheleien zwischen der EU und Russland über den Energiemarkt. Nach der Eröffnung des wettbewerbsrechtlichen Verfahrens gegen Gazprom hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, die Kommission wolle damit von der Schuldenkrise ablenken. Er stellte Gazprom per Dekret unter besonderen staatlichen Schutz. Gleichzeitig setzten europäische Kunden nach langen Verhandlungen mit Gazprom Preissenkungen und Rückzahlungen wegen hoher Gaspreise durch. Diese waren durch die historische Bindung des Gaspreises an den Ölpreis bedingt, spiegelten aber nicht mehr das inzwischen niedrigere Preisniveau im europäischen Gashandelsmarkt wieder.

Bis Ende des Jahres will Gazprom noch eine Milliarde Euro an seine Großkunden zurückzahlen, allen voran Eon. Bereits im ersten Vierteljahr hatte Gazprom umgerechnet mehr als 1,9 Milliarden Euro zurückgezahlt, was den Quartalsgewinn des Unternehmens reduzierte. Er fiel um fast ein Viertel auf umgerechnet 8,8 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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