Winkelzüge vor der Hauptversammlung
NordLB und Windhorst streiten um Balda-Aufsichtsrat

Die Sorgen der Norddeutschen Landesbank mit ihren Balda-Aktien nehmen kein Ende. Bis vor kurzem versuchte die Bank, die acht Millionen Aktien, die sie "aus Versehen" gekauft hatte, wieder loszuwerden. Nun will die NordLB ihre Position als Großaktionär aber dazu nutzen, einen Vertrauensmann in den Aufsichtsrat zu schicken und die Wahl eines anderen Kandidaten zu verhindern: dem Anwalt von Lars Windhorst.

DÜSSELDORF. Der seit Monaten anhaltende Streit zwischen der NordLB und Lars Windhorst erreicht einen neuen Höhepunkt. nach Wenige Tage vor der Hauptversammlung des Handyzulieferers Balda hat die NordLB einen Gegenantrag gestellt, mit dem sie den Einfluss von Windhorst bei Balda begrenzen will. Bisher sah die Tagesordnung des Aktionärstreffens vor, Michael Naschke in den Aufsichtsrat von Balda wählen zu lassen. Naschke ist Anwalt von Windhorst.

Die NordLB will die Wahl von Naschke verhindern und stattdessen am kommenden Dienstag Manfred Puffer für den Aufsichtsrat vorschlagen. Puffer sitzt derzeit im Aufsichtsrat der österreichischen Bundesfinanzagentur und war früher unter anderem für Bear Stearns, die WestLB und Goldman Sachs tätig.

Wörtlich heißt es im Gegenantrag der NordLB: "Wir werden dem Vorschlag des Aufsichtsrates, der die Wahl des Herrn Dr. Puffer nicht vorsieht, widersprechen und die anderen Aktionäre auffordern, für unseren Gegenantrag zu stimmen."

Dem Streit um die Besetzung des Aufsichtsrats geht eine längere Auseinandersetzung vorher. Im März meldete die NordLB, dass sie mit 15,5 Prozent der Balda-Anteile größter Aktionär des Unternehmens ist. Dies beruhe jedoch auf einem Missverständnis, denn eigentlich wolle die NordLB die Balda-Aktien gar nicht haben. Vielmehr habe sie die Papiere im Auftrag eines Kunden gekauft, der sie nun aber nicht abnehme.

Dieser Kunde ist Vatas, ein Finanzinvestor, der von Lars Windhorst geführt wird. Vor dem Zwischenfall führten Vatas und die NordLB eine mehrjährige Zusammenarbeit, die so positiv verlief, dass mit der Zeit Geschäfte auch ohne Verträge getätigt wurden. Erst 2008, als Aktienpakete der NordLB einbrachen, die sie vorher auf Zuraten von Windhorst gekauft hatte, kam es zum Streit. Die NordLB entließ mehrere beteiligte Mitarbeiter, auch der zuständige Vorstand Jürgen Kösters musste gehen. Die Balda-Aktien, die die NordLB für rund 60 Mill. Euro kaufte, sind aktuell rund zwölf Mill. Euro wert.

Dass Vatas, der 8,4 Prozent an Balda hält, den Windhorst-Anwalt Naschke in den Balda-Aufsichtsrat schickt, war zuvor mit Balda so abgesprochen - der Vorschlag zur Wahl Naschkes erfolgt vom amtierenden Balda-Aufsichtsrat. Allerdings gefällt dies außer der NordLB auch einem anderen Großaktionär nicht. "Jemand wie Herr Dr. Naschke ist selbstverständlich für uns völlig unakzeptabel", sagt Michael Treichl von Audley Capital.

Der Hedge-Fonds hält 10,5 Prozent an Balda und steht selbst mit Windhorst in Rechtsstreitigkeiten. Audley stellte im Mai einem Insolvenzantrag gegen Vatas, scheiterte damit aber vor dem Amtsgericht Charlottenburg. Am kommenden Mittwoch beginnt zwischen Audley und Vatas ein Zivilprozess wegen Aktiengeschäften rund um den Münchener Altersheimbetreiber Curanum.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%