VW: Das Thema Abgasaffäre ist bei Winterkorn nicht angekommen

Winterkorn im Bundestag
„Das Thema ist nicht bei mir angekommen“

Er war der bedeutendste Manager der Republik. 2015 trat VW-Chef Martin Winterkorn zurück. Heute sagt er: „Ich muss akzeptieren, dass mein Name eng mit der Dieselaffäre verbunden ist“. Ein Stimmungsbericht.
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BerlinMartin Winterkorn erreicht das Ausschussgebäude des Bundestags um 9.34 Uhr. Mit strammem Schritt marschiert er zum Eingang, trotz Winterkälte ohne Mantel. Im Gebäude angekommen, verschwindet er in einem Fahrstuhl. Wichtige Zeugen erhalten immer einen Raum zur letzten Vorbereitung, so sind die Regeln im Deutschen Bundestag. Neun Minuten vor Beginn der Sitzung des fünften Untersuchungsausschusses um zehn Uhr bildet sich ein Pulk aus Fotografen und Kameraleute vor dem Tisch des Befragten. Der Andrang ist so groß als nähmen sie gleich die siegreiche Fußballnationalmannschaft auf. Die Besucher- und Pressetribüne ist voll besetzt.

Dieser 19. Januar ist der Höhepunkt der politischen Aufklärung im Dieselskandal, der das größte Unternehmen Deutschlands schwer erschüttert hat. Der ehemalige Vorsitzende des Konzerns mit seinen 600.000 Beschäftigten soll an diesem Tag aufklären und helfen, warum so ein Abgas-Manipulationsskandal möglich sein konnte und welche Rolle der Chef dabei gespielt hat.

Winterkorn betritt die Arena mit aufrechtem Gang. Geduldig lässt er sich fotografieren. Dann setzt er sich und nimmt einen Schluck Wasser. Neben ihm haben seine Anwälte Platz genommen. Sie sitzen neben ihm, damit nichts schiefgeht, haben jedes Wort vorher mit ihm einstudiert. Winterkorn hat gerade die Belehrung durch den Vorsitzenden Herbert Behrens (Linken) hinter sich gebracht, wonach er die Wahrheit sagen muss und Falschaussagen Geldstrafen und Freiheitsstrafen zur Folge haben können.

Gleich wird er die Gelegenheit zu einer persönlichen Erklärung nutzen und seine Reue beteuern. Schuld oder Verantwortung lädt er an diesem Tag allerdings nicht auf sich. Zu viel steht für ihn und den Konzern auf dem Spiel. Es geht um viel Geld, wenn bekannt werden würde, dass der Konzern zu spät die Öffentlichkeit informiert und damit die Regeln der Börse missachtet hat.

Dann beginnt der Ex-Manager, einen Text zu verlesen. „Mein Name ist Martin Winterkorn“, sagt er.  „Mein Alter ist 69.“ Der einst bedeutendste Manager der Republik, der gerne auch mal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert, nuschelt und spricht teilweise unverständlich. Er räuspert sich. „Ich danke für die Gelegenheit“, sagt er. Der Diplomingenieur erzählt von sich und wie er 2007 VW-Chef wurde. Am 25. September 2015 war es dann vorbei. „Dramatische Ereignisse“ seien es gewesen.

Der Dieselskandal habe dem Unternehmen „schweren Schaden“ zugefügt. Die Folgen seien noch nicht in vollem Umfang abzusehen. Er sei tief bestürzt, dass Millionen von Kunden betrogen worden seien. „Das belastet mich ganz besonders“, sagt er. „Die „Liebe zum Detail“ sei „das Markenzeichen von meiner Mannschaft und mir gewesen“, erklärt er und wird später doch immer wieder sagen, dass er sich nicht erinnern kann.

Sie hätten natürlich unter Einhaltung aller Gesetze gearbeitet mit dem Ziel, den Kunden das beste Angebot im Wettbewerb zu bieten. Der Skandal müsse da natürlich „wie Hohn klingen. Mir geht es genauso.“ Für Außenstehende sei es nicht nachzuvollziehen. „Auch ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Und weiter: „Das Undenkbare ist geschehen. Es wurde verbotene Software eingesetzt. Ich bitte in aller Form um Entschuldigung.“

Er selbst verstehe das alles nicht, sagt Winterkorn, dem in den vergangenen Monaten immer wieder ein Schreckensregime unterstellt worden war. Jeder Mitarbeiter, sagt er nun, hätte zu ihm kommen und über Probleme berichten können, so wie beim VW Polo, den sie in den Niederlanden als Diesel bringen wollten, dort aber die Abgaswerte nicht einhalten konnten. Also sei das Projekt gestoppt worden.

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Winterkorn mit Erinnerungslücken

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  • Aus der Nummer kommt Winterkorn nicht raus. Entweder er wusste es oder er wusste von einem Betrug in diesen Dimensionen und mit dieser Tragweite nichts. Auch das hat er dann als oberster Chef zu verantworten, wenn auch ggf. nicht strafrechtlich so disqualifiziert es ihn zumindest doch als Empfänger einer Betriebsrente von 3.200 pro Tag.

  • Ein ehemaliger VW Leitender verließ wegen des patriarchaischen Führungsstils u. der Misstrauenskultur den Konzern. Es gab nichts, was Wiko nicht wusste!!! Jetzt belügt dieser Bandit den Untersuchungsausschuss. Wiedeking wurde wegen einer Lapalie verklagt. Wiko ruiniert den Konzern, sackt Geld ein u. ist nicht angeklagt ... ein Skandal bei dem Wolfgang Porsche tatenlos zu schaut. Der Mann gehört hinter Gitter!!!

  • Winterkorn war nicht irgendein Erbsenzähler. Winterkorn pflegte den Nimbus des Vollblutingenieurs, der jede Schraube an einem VW kannte, der bei jedem Detail um die technisch optimalen Lösung gekämpft hat. Legendär ist das Video, wo er sich auf der Messe ins Auto eines koreanischen Mitbewerbers setzt, und begeistert vom satten Zuschlagen sagt: "Warum können wir das nicht?" Ich selbst habe ihn lange bewundert. Und dieser Mann behauptet: "Das Thema ist nicht bei mir angekommen" ? Da lachen ja die Hühner. Irgendwann ist mal jemand zu ihm gekommen und hat ihm gesagt: "Chef, wir schaffen die Werte nicht, aber ich hätte da eine Idee". Höchstwahrscheinlich, bevor die Betrugssoftware überhaupt eingebaut wurde. Bosch hat ja seine Motorsteuerung so geliefert, dass der Betrug möglich wurde. Da muss es ein Lastenheft geben, in dem diese Funktionalität spezifiziert wurde. Oder glaubt jemand, die Bosch-Ingenieure hätten das in ihrer Freizeit da hinein programmiert, weil sie Lust darauf hatten? Natürlich ist das von VW beauftragt und bezahlt worden. Die Erkennung des Prüfzyklus ist ein Sonderablauf, und Sonderabläufe sind bei Programmierern nicht beliebt, weil man da höllisch aufpassen muss und viel testen muss, damit die eigentliche Funktionalität nicht durch einen Seiteneffekt ausgehebelt wird. So was kostet extra, und nicht zu knapp. Von daher wäre der Vertrag zwischen VW und Bosch über die Motorsteuerungen, die den Betrug möglich gemacht haben, von allergrößtem Interesse - und auch wer den Vertrag unterschrieben hat. Auch die Stunden, die bei VW für die Betrugssoftware abgerechnet wurden, müssen irgendwo festgehalten sein. VW ist ein Weltkonzern, der jeden Furz dokumentiert, und der ehemalige Oberboss stellt sich hin und sagt: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts" ??? Der verar... uns doch! VW hat durch Betrug bei den technischen Daten dem Label "Made in Germany" einen unübersehbaren Schaden zugefügt. Die tatsächlichen Verantwortlichen müssen ins Gefängnis.

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