Winterkorn-Interview
„Erfolg von VW hängt an einzelnen Personen“

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn skizziert erstmals, welche Qualitäten sein Nachfolger haben muss, sagt aber: „Das Amt des Kronprinzen ist noch nicht besetzt“. Außerdem macht er deutlich, dass er Ambitionen hat, Ferdinand Piëch als Chefkontrolleur von Europas größtem Autobauer nachzufolgen.
  • 0

Handelsblatt: Herr Winterkorn, bei der Präsentation 2007 hat Ihrer Wachstumsstrategie kaum jemand in der Branche eine Chance gegeben. Woher kommt der Schub heute?

Martin Winterkorn: Wir liegen mit unserer Strategie bei den Produkten, der Qualität, den Baukästen und unserer Mehrmarkenphilosophie genau richtig. Davon war ich persönlich von Anfang an überzeugt. Entscheidend ist aber, dass auch die Mitarbeiter daran glauben. Ich spüre inzwischen, dass die ganze Mannschaft hinter unserem vor zehn Jahren begonnenen Wachstumsplan, den wir bei Audi unter dem Namen Route 2015 perfektioniert haben, und jetzt als Strategie 2018 in größerem Maßstab für den Konzern anwenden, steht. Das gilt für Deutschland genauso wie für unsere Fabriken in Mexiko, Brasilien oder China - überall wissen die Mitarbeiter, was wir bis 2018 schaffen wollen: Nummer eins bei Qualität und Kundenzufriedenheit zu werden, bester Arbeitgeber zu sein, die Stückzahlen erheblich zu steigern, Toyota zu überholen und eine Konzernumsatzrendite von über acht Prozent zu erreichen.

Zugute gekommen ist Ihnen eine historische Schwächephase des Rivalen Toyota. Macht Sie das siegesgewiss?

Mit Toyota als Wettbewerber muss man immer voll konzentriert sein. Sobald der US-Markt wieder anzieht, ist Toyota zurück. Und dieser Konzern hat so viel Kraft, dass er in Regionen, in denen er - wie in China heute - schwach ist, angreifen wird.

Schwächt Sie der schnelle Erfolg sogar taktisch?

Wenn Sie einmal vorn fahren, müssen Sie immer wieder überprüfen, ob die Erfolgsfaktoren noch stimmen. Es darf keinen Durchhänger geben. Man muss immer der Angreifer bleiben. Audi ist jetzt vorn und muss darauf achten, es auch zu bleiben.

Der Erfolg bei Audi hat Sie in den Chefsessel des Konzerns gehievt. Dabei wollten Sie den Job in Ingolstadt anfangs gar nicht.

Als Ferdinand Piëch mir sagte, dass Bernd Pischetsrieder Konzernchef werden und ich zu Audi gehen sollte, wäre ich anfangs gern Entwicklungschef geblieben. Aber Piëch hatte Recht. Es gab die Tendenz in Ingolstadt, mitzulaufen, statt BMW und Mercedes anzugreifen. Aus heutiger Sicht war es richtig, erst Audi wieder zu einer starken Kraft zu machen. Wir mussten große, mutige Schritte gehen, wie ein neues Design zu schaffen und den Modularen Längsbaukasten einzuführen.

Seite 1:

„Erfolg von VW hängt an einzelnen Personen“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Winterkorn-Interview: „Erfolg von VW hängt an einzelnen Personen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%