Winterkorns US-Strategie
Ein Siebensitzer soll die Wende bringen

Seit Monaten fährt VW dem wichtigen Automarkt USA hinterher, weil neue Modelle fehlen und vorhandene schneller aktualisiert werden müssten. Jetzt verrät Konzernchef Winterkorn Details, wie das besser werden soll.
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Wolfsburg/ChattanoogaEuropas größter Autobauer will seinen neuen Hoffnungsträger für den amerikanischen Markt direkt vor Ort, im amerikanischen VW-Werk in Chattanooga bauen. Die Fabrik im südlichen Bundesstaat Tennessee setzt sich damit gegen die Alternative Puebla in Mexiko durch.

Wie VW-Chef Martin Winterkorn am Nachmittag in Rahmen der Strategiedetails für den so wichtigen nordamerikanischen Absatzmarkt erläuterte, werden für die Fertigung des Siebensitzers mit dem Arbeitstitel Cross Blue 643 Millionen Euro in das Werk investiert. Von einigen Hundert neuen Jobs ist ebenfalls die Rede. Die Produktion soll 2016 starten.

Die Wolfsburger haben den Cross Blue speziell für den nach China weltweit zweitwichtigsten Automarkt USA entworfen. VW-Chef Martin Winterkorn sagte: „Dieses Fahrzeug wird ein echter Amerikaner.“ Das Fahrzeug soll zwischen dem Tiguan (US-Preis: 23.305 Dollar) und dem Touareg (44.570 Dollar) positioniert werden, und ringt um die Käufergunst gegen Erfolgsmodelle wie den Ford Explorer oder Toyotas Highlander.

Die Entscheidung für Chattanooga ist gleich von doppelter Bedeutung für Volkswagen: Der Konzern schwächelt seit längerem in den Vereinigten Staaten. Volkswagen werde aber wieder angreifen, sagte Winterkorn.

Der eigens für den nordamerikanischen Markt entwickelte und 2011 eingeführte Passat verkauft sich nicht mehr so gut, die Konkurrenz hat längst mit günstigen Angeboten reagiert. Im Juni brach der Absatz des Wolfsburger Mittelklassemodells in den USA um ein Drittel ein. Obwohl der Markt dort wächst und die Menschen wieder mehr Autos kaufen, muss VW seit vielen Monaten sinkende Absatzzahlen ausweisen.

Die Konzernspitze hatte schon eingeräumt, dass neue Modelle fehlen und die vorhandenen Modelle schneller als bisher überarbeitet werden müssen. Bereits auf dem Genfer Autosalon hatte Winterkorn Besserung versprochen.

Auch anlässlich der vergangene Woche präsentierten Halbjahreszahlen zeigte sich beim Blick auf die verschiedenen Regionen: Während sich VWs Verkaufszahlen in Europa stabilisieren und China als mit Abstand größter Markt das Wachstum befeuert, setzte VWs Kernmarke in den USA nach sechs Monaten 13 Prozent weniger ab als vor einem Jahr, in Südamerika liegt das Minus sogar bei 21 Prozent.

In der Vergangenheit hatte Volkswagen angekündigt, bis 2018 mehr als sieben Milliarden Dollar (gut fünf Milliarden Euro) Ausgaben für Nordamerika einzuplanen. Chattanooga ist das einzige VW-Werk in den USA. Volkswagen hatte die Fabrik im US-Bundesstaat Tennessee eigens für den Passat errichtet und damals schon Platz für Erweiterungen gelassen.

Das Werk im US-Bundesstaat Tennessee ist wegen des Verkaufsrückgangs nicht völlig ausgelastet. Mit Chattanooga verbindet VW aber immer noch die große Erwartung, in den USA aus der Rolle eines Nischenanbieters mit einem Marktanteil zwischen zwei und drei Prozent herauszukommen. Weltweit hat der Konzern 106 Fertigungsstätten. Das SUV wird das zweite Modell für die Fabrik.

Die Entscheidung spielt zudem eine wichtige Rolle, weil um das Werk in Chattanooga seit Monaten ein Streit um die betriebliche Mitbestimmung schwelt. Alle übrigen 105 Werke haben eine Arbeitnehmerbeteiligung nach deutschem Vorbild. Doch diese Art von Betriebsrat fehlt in Chattanooga. Der im VW-Aufsichtsrat mächtigen Arbeitnehmerseite ist das ein Dorn im Auge, sie dringt auf Änderung.

Ein Weg zusammen mit der umstrittenen Autogewerkschaft UAW war jedoch im ersten Anlauf gescheitert. Eine Abstimmung unter den Mitarbeitern in Chattanooga hatte der UAW nicht die nötige Mehrheit gebracht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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