Wintersportindustrie
Es schneit zur rechten Zeit

Noch vor wenigen Monaten jammerten Skihersteller und Sporthändler über den Klimawandel und die leeren Skipisten. Doch pünktlich zu den Weihnachtsferien sind die Hänge weiß und die Kunden strömen in die Geschäfte. Die Hersteller freuen sich über die hohe Nachfrage - und ziehen die Preise wieder an.

MÜNCHEN. Die Hänge sind weiß und der Skizirkus dreht sich wieder: In vielen Skistationen der Alpen herrschen derzeit traumhafte Bedingungen. Selbst im Flachland ist es kalt, und so strömen die Käufer derzeit trotz der Wirtschaftsflaute in die Läden. "Wir sehen bis jetzt keine negativen Anzeichen der Krise", sagt Christoph Bronder. Der Manager ist Chef von Völkl, der bekanntesten deutschen Skimarke. Europas größter Fachhändlerverbund Intersport berichtet sogar von einem zweistelligen Umsatzplus in den vergangenen Wochen.

Noch jubelt aber niemand in der Branche, denn alle Beteiligten wissen ganz genau: Wenn es vor Weihnachten wieder warm wird, ist es nicht nur auf den Pisten vorbei mit der Herrlichkeit. Dann machen auch die Kunden schnell einen großen Bogen um Wintersportausrüstung in den Geschäften. "Schneefall ist für uns das A und O", betont Völkl-Chef Bronder. Erstaunlich aber wahr: Wenn die Flocken fallen, dann kaufen die Leute Skier, Schlitten und Pullover - egal wie es wirtschaftlich aussieht. Dieses Muster kennt die Wintersportbranchen schon aus den vergangenen Jahrzehnten, und es scheint sich auch in der gegenwärtigen Krise zu bestätigen.

Einen schneereichen Winter können Händler und Produzenten gut gebrauchen. Denn die Branche leidet noch immer unter der Katastrophensaison 2006/2007. Damals blieben die Wiesen in den Bergen weitgehend grün. Weil kaum jemand Skier kaufte, wurden die Bretter nur so verramscht. Der Preiskampf in der Branche trieb die Skihersteller reihenweise in die roten Zahlen, Händler gaben auf. Wegen der randvollen Lager normalisieren sich die Preise erst in diesen Tagen wieder.

Die Branche allerdings ist nicht mehr dieselbe, die sie vorher war. Immer mehr Anbieter werden übernommen und gehören jetzt zu größeren Konzernen. Völkl beispielsweise ist inzwischen Teil der amerikanischen Jarden-Gruppe, die auch die K2-Skier herstellt. Zudem hat sich Jarden jüngst am hoch defizitären ehemaligen Weltmarktführer Rossignol mit 18 Prozent beteiligt. Die Franzosen gehörten bislang zur Surfmodemarke Quiksilver. Doch die von hohen Gewinnspannen verwöhnten Modemacher wollten die Defizite des Skigeschäfts nicht länger tragen. Unter einem Dach sind bereits Branchenprimus Atomic und die französische Marke Salomon. Sie gehören mittlerweile zum finnischen Sportartikelhersteller Amer.

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