Wintersportindustrie
Schneereicher Winter bringt Völkl in Fahrt

Der außergewöhnlich schneereiche Winter sorgt für gute Laune in der Wintersportbranche. „Die Skibestände im Handel sind so gut wie aufgebraucht. Das macht uns Mut für die nächste Saison“, sagte Völkl-Chef Christoph Bronder dem Handelsblatt. Derzeit bestellen die Händler bereits die Skier für kommenden Winter.

STRAUBING. Da die Lager im Gegensatz zu vorigen Jahren geleert seien, rechnet der Manager mit einer guten Auftragslage und einem geringeren Preisverfall als früher. Völkl ist der letzte deutsche Skihersteller. Mitte Februar hat das bayerische Unternehmen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Produktion zumindest für die nächsten drei Jahre im bayerischen Straubing bleibt. Um von den Kosten her mit den ausländischen Wettbewerbern mithalten zu können, arbeiten die Beschäftigten statt 38 jetzt 39,5 Stunden die Woche. Zudem wurde das Urlaubsgeld gekürzt. Dafür garantiert Völkl, die 370 Arbeitsplätze zu erhalten.

Allerdings werden nicht alle Skier mit dem Völkl-Logo in Straubing hergestellt. Die günstigen Bretter kommen aus China. Dort betreibt der Völkl-Besitzer K2 eine riesige Sportgerätefabrik. Der amerikanische Sportkonzern hat das bayerische Traditionsunternehmen vor anderthalb Jahren gekauft.

Völkl stand damit am Anfang einer großen Konsolidierungswelle auf dem Skimarkt. Im vergangenen Frühjahr übernahm die amerikanische Surf-Modemarke Quiksilver den angeschlagenen Weltmarktführer Rossignol aus Frankreich. Im Herbst gab dann Adidas seine wenig profitable Wintersportmarke Salomon an die finnische Amer Group (Skimarke Atomic) ab.

Der Grund für die Konzentration liegt auf der Hand: Seit Jahren stagniert die Branche, immer wieder schreiben die Hersteller rote Zahlen. Insider gehen davon aus, dass es zu weiteren Übernahmen kommen wird. „Der Konsolidierungsprozess in unserer Branche ist noch längst nicht abgeschlossen“, sagt Gregor Dietachmayr, Chef des österreichischen Skiproduzenten Fischer. In dem schwierigen Markt tummeln sich noch immer fast ein Dutzend Hersteller, darunter Firmen wie Kneissl und Blizzard, die schon mehrmals kurz vor dem Aus standen.

Auch Völkl spart seit Jahren. 1992 standen die Niederbayern fast vor der Pleite, ehe der Schweizer Gregor Furrer die Firma für vier Mill. DM übernahm. Später kamen der Investor Hans-Dieter Cleven und die italienische Tecnica-Gruppe hinzu. In der Folge investierten die Eigner zwar in neue Anlagen, forderten aber regelmäßig schwere Opfer von den Beschäftigten. Schließlich verkauften sie ihre Anteile an K2.

Jetzt sieht sich das Management im K2-Verbund für die Zukunft gut gerüstet. „Wir werden den Wettbewerbern Marktanteile abnehmen“, gibt sich Völkl-Chef Bronder zuversichtlich. Er ergänzt: „Wir haben die Marke erfolgreich verjüngt.“ Völkl sieht sich auf Rang vier unter den größten Produzenten weltweit und in Deutschland auf Platz drei.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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