Wipro-Chef
Azim Premji: Indiens bescheidenster Manager

Azim Premji ist Indiens Bill Gates. Beide rechnet das Magazin „Forbes“ zu den zehn reichsten Technologie-Unternehmern der Welt. Der 61-jährige Premji hat mit dem Microsoft-Gründer nicht nur phantastischen Reichtum gemeinsam: Wie Gates hat er eine neue Industrie mit aus der Taufe gehoben – die Offshoring-Branche – und Wipro zu einer Ikone des modernen Indien gemacht.

olm DELHI. Seine Karriere begann mit einer Tragödie: dem plötzlichen Tod des Vaters 1966. Der damals 21-Jährige brach sein Technikstudium an der US-Elite-Universität Stanford ab und übernahm die Zügel der Familienfirma Western Indian Vegetable Products. Wipros Firmen-Logo zeugt von den Wurzeln als Speiseöl-Hersteller: Es zeigt eine knallbunte Sonnenblume.

Als Erstes nimmt Premji Seife, Wachs und Glühbirnen ins Produktprogramm auf. Als Indien sich von der Weltwirtschaft abschottet und 1977 IBM aus dem Land wirft, füllt der Elektrotechniker das Vakuum: Er heuert Entwickler an, konstruiert eigene Mikrochips und Rechner und baut Wipro zum Hardware-Hersteller um. Als sich das Land in den 90er-Jahren für konkurrenzfähigere Importe öffnet, findet der Chef für seine Techniker neue Arbeit: den Export billiger IT-Dienste in den Westen.

Auf dem Höhepunkt des Erfolges steht der Manager mit dem schlohweißen Bürstenschnitt heute vor seiner schwierigsten Aufgabe: ein halsbrecherisches Wachstumstempo zu halten.Die Konfrontation mit IBM schreckt ihn weniger als neue Billig-Konkurrenz aus China, Russland und Vietnam. „Ruhen wir uns auf unseren Lorbeeren aus, vernaschen die uns“, warnt Premji.

Arroganz und Allüren sind „Indiens Technologie-König“ („Business Week“) fremd. Weder Erfolg noch Reichtum sind ihm zu Kopf gestiegen. Infosys-Gründer Narayana Murthy bewundert den Rivalen als „bescheidensten aller Menschen“. Andere halten Premji für einen Pfennigfuchser. Der Selfmade-Milliardär hält 80 Prozent an Wipro. Doch er fährt Toyota, fliegt Economy und scheut Fünf-Sterne-Hotels. „So bleibt man geerdet“, findet er. Das zahle sich auch wirtschaftlich aus: Manager, die in Privatjets um die Welt rasen, verlören den Bezug zur Wirklichkeit ihrer Angestellten und Kunden.

Sein Geldschatz bedeutet dem Krösus „ungeheure Verantwortung“. Einen großen Teil gibt der Moslem über eine Stiftung aus, die drei Millionen armen Kindern bei der Schulausbildung hilft. Durch den Vermögenstransfer sinkt sein Anteil an Wipro stetig. Familienkontrolle liegt dem Vater zweier Söhne aber am Herzen: „Das isoliert uns von den schwankenden Kurzzeit-Interessen der Börsianer und erlaubt längerfristige Entscheidungen.“

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