"Wir beobachten ständig den Markt"
MVV Energie prüft weitere Zukäufe

Der Vorstandsvorsitzende der MVV Energie AG, Rudolf Schulten, kündigt nach der Übernahme der Stadtwerke Kiel weitere Zukäufe an. "Wir wollen weiter investieren in Unternehmen, die im gleichen Geschäft tätig sind wie wir. Immer wenn sich günstige Gelegenheiten ergeben, werden wir die nützen", sagte Schulten dem Handelsblatt (Montagausgabe). Derzeit gebe es allerdings noch keine konkreten Objekte. Schulten bezifferte den Finanzspielraum für Zukäufe auf "mehrere hundert Millionen Euro".

Das Interview im Wortlaut:

Herr Schulten, MVV Energie übernimmt die Mehrheit an den Stadtwerken Kiel. Was versprechen Sie sich von dem Zukauf?

Das ist für uns ein ganz wichtiger Schritt zur Fortsetzung unserer Wachstumsstrategie und zur Erweiterung unseres Stadtwerke-Netzwerkes. Kiel passt besonders gut, weil die Stadtwerke als Querverbund genau in den gleichen Segmenten aktiv sind wie wir - Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Zudem hat Kiel mit seinem Gemeinschaftskraftwerk einen sehr hohen Anteil an Eigenerzeugung. Die MVV Energie wird damit insgesamt mehr Strom selber erzeugen können.

Plant die MVV Energie weitere Übernahmen?

Wir wollen weiter investieren in Unternehmen, die im gleichen Geschäft tätig sind wie wir. Immer wenn sich günstige Gelegenheiten ergeben, werden wir die nützen.

Haben Sie bereits bestimmte Objekte im Visier?

Wir beobachten natürlich ständig den Markt und prüfen Chancen. Derzeit ist aber noch nichts spruchreif.

Welchen Finanzspielraum hat die MVV Energie denn für Zukäufe?

Wir haben noch eine Reserve von mehreren hundert Millionen Euro. Wir wollen aber auf jeden Fall eine Eigenkapitalquote von mindestens 25 % behalten. Jetzt sind wir bei rund 30 %. Mit einem zweiten Börsengang können und wollen wir unsere Finanzkraft weiter verbessern und uns neuen Spielraum verschaffen.

Was müssen Stadtwerke mitbringen, damit sich die MVV Energie für sie interessiert?

Sie müssen ähnlich organisiert sein wie wir. Wir wollen ja nicht nur reine Größenvorteile realisieren, sondern ein erfolgreiches Geschäftsmodell multiplizieren.

Die Beteiligungen der MVV Energie sind weit über das Bundesgebiet verstreut. Wo liegen denn da noch Synergieeffekte? Schulten: Synergieeffekte werden gerne als Argumente für Fusionen heran gezogen. Häufig treten sie aber nicht ein. Im Gegenteil haben fusionierte Unternehmen oft mit kulturellen Problemen zu kämpfen. Deswegen glauben wir viel eher, dass das von einander Lernen, das Bilden eines Netzwerkes ein Erfolgsmodell ist - ohne die kulturelle Identität des Unternehmens zu zerstören, an dem wir uns beteiligen. Beim Kaufpreis für Kiel haben wir deshalb auch keine Synergieeffekte reingerechnet.

Trotzdem streben Sie aber auch nach Größe?

Die Vorteile der Größe liegen natürlich auf der Hand. Sie haben letztlich einen höheren politischen Einfluss, was in unserer Branche wichtig ist. Und bei der Strombeschaffung, dem Materialeinkauf oder der Informationstechnologie macht sich dies auch positiv bemerkbar.

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