„Wir werden verhandeln und wenn wir noch drei Tage verhandeln“
VW-Mitarbeiter begehren auf

Die Mitarbeiter von Volkswagen wollen den Sparkurs von Konzernchef Bernd Pischetsrieder nicht hinnehmen und lassen ihrer Wut freien Lauf: "Wir sind VW" so das Motto der rund 45 000 Beschäftigen im Stammwerk Wolfsburg. Für etwa drei Stunden legten die Mitarbeiter die Arbeit nieder. Zugleich drohte am Dienstag eine Eskalation des Tarifkonflikts.

HB WOLFSBURG. Vor der VW-Konzernzentrale herrscht Unmut - und mehr als das. Rund 45 000 Beschäftigte im Stammwerk Wolfsburg lassen am Dienstag ihrer Wut über den Sparkurs von VW-Boss Bernd Pischetsrieder im Tarifkonflikt freien Lauf - auf einer Kundgebung direkt vor dem Verwaltungsgebäude, in dem auch die Führung des Autobauers sitzt. Etwa drei Stunden lang legen die Beschäftigten im Herzen des Konzerns die Arbeit nieder.

„Demos müssen sein, sonst schlafen die VW-Manager total ein“, ist auf einem Plakat zu lesen, auf ein anderes haben Auszubildende geschrieben: „Der Vorstand will unsere Übernahme beerdigen.“ Auch VW- Personalvorstand Peter Hartz und sein Tarif-Unterhändler Josef- Fidelis Senn bekommen ihr Fett ab: „Wir lassen uns nicht ver-Hartz- Senn“, steht auf einem Spruchband.

Die Welle der Warnstreiks bei Volkswagen erreichte am Dienstag auch das VW-Stammwerk - in der Dramaturgie der IG Metall nimmt der Massenprotest vor der Konzernzentrale einen hohen Stellenwert ein, wie es in Gewerkschaftskreisen heißt. Die Botschaft ist eindeutig: IG Metall und Betriebsrat wollen ihre Stärke demonstrieren. „Wir lassen uns nicht zu Knechten oder Befehlsempfängern machen, sondern wir bestehen darauf, dass man uns und unsere Interessen respektiert“, ruft Betriebsratschef Klaus Volkert den Beschäftigten zu.

Zugleich droht er mit einer Eskalation des Tarifkonflikts: „Entweder wir finden in den nächsten Stunden in den Verhandlungen einen vernünftigen Kompromiss, oder wir werden bei Volkswagen einen Konflikt erleben, wie ihn die Geschichte dieses Unternehmens bisher noch nicht gekannt hat“, sagt Volkert mit Blick auf die Verhandlungen in Hannover, die am Dienstag fortgesetzt wurden - bis zum frühen Abend aber ohne Aussicht auf ein Ergebnis.

Der Andrang auf dem Platz vor dem Verwaltungsgebäude in Wolfsburg ist groß. Mitarbeiter aus allen Bereichen sind bei der rund einstündigen Kundgebung versammelt: von der Frühschicht, der Normalschicht und auch schon einige von der Spätschicht. Siegfried Rau, 48 Jahre alt und seit 25 Jahren bei Volkswagen, etwa meint: „Das geht nicht weiter, was die mit uns vorhaben.“ Trillerpfeifen und Trommeln sind zu hören, aber auch Rufe wie „Wir sind VW!“.

„Wir werden verhandeln und wenn wir noch drei Tage verhandeln“, sagt der Wolfsburger IG-Metall-Chef Wolfgang Schulz. Die Gewerkschaft wolle eine „faire Verhandlungslösung.“ Zugleich attackiert Schulz das VW-Management. „Da wird Porzellan zerschlagen, das kaum noch zu kitten sein wird“.

Auch für Volkert steht in der schwierigen Tarifrunde die oft beschworene „gute Kultur“ bei VW auf dem Prüfstand. „Volkswagen war bisher von einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit geprägt, die dem Unternehmen wie der Belegschaft und den Regionen der VW-Standorte gleichermaßen Vorteile gebracht hat“, sagt er. „Deshalb wäre es vernünftig, diese Kultur in Zukunft beizubehalten und nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“

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