Wird es Änderungen geben? So verteilt sich die Macht bei VW auf den PS-Clan Porsche und Piëch

Was passiert mit Ferdinand Piëchs 13 Prozent an PSE-Stammaktien? Um eine Idee zu bekommen, müssen zunächst einmal die Machtverhältnisse im VW-Konzern durchschaut werden. Das Konstrukt des Hauses ist vielschichtig.
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Autounternehmer Ferdinand "Ferry" Porsche jr., rechts, und sein Vater Ferdinand Porsche stehen neben einem Sportwagen der Marke "Porsche". Volkswagen und Porsche sind aus einer Wurzel hervorgegangen. Quelle: ap

Autounternehmer Ferdinand "Ferry" Porsche jr., rechts, und sein Vater Ferdinand Porsche stehen neben einem Sportwagen der Marke "Porsche". Volkswagen und Porsche sind aus einer Wurzel hervorgegangen.

(Foto: ap)

Wolfsburg/SalzburgDer Autokonstrukteur und Porsche-Gründer Ferdinand Porsche (1875 - 1951) hat mit dem legendären VW-Käfer die Keimzelle des Weltkonzerns Volkswagen geschaffen. Seine Nachfahren halten heute den größten Teil der Macht bei Europas Marktführer in ihren Händen.

Ein Überblick: Der VW-Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken hat zwei Aktienarten. Die Vorzugsaktien werfen mehr Dividende ab, beinhalten dafür aber keine Stimmrechte für die Weichenstellungen auf der Hauptversammlung.

Das Stimmrecht liegt bei den Stammaktien, kurz genannt Stämme. 50,73 Prozent dieser Stämme, also knapp die absolute Mehrheit, entfallen auf die Stuttgarter Porsche Automobil Holding SE (PSE). Sie versuchte vor rund sechs Jahren vergeblich, die alleinige Macht beim VW-Konzern zu holen, wofür mindestens 75 Prozent der Stämme nötig gewesen wären.

Als Ergebnis steht nun gut die Hälfte des VW-Konzerns unter dem Dach der PSE. Und bei der wiederum haben die Porsches und Piëchs das alleinige Sagen, denn nach dem Ausstieg des Emirats Katar besitzen sie sämtliche Stämme der Holding. Allerdings entfallen die Anteile nicht zu gleichen Teilen auf die zwei Familienzweige Porsche und Piëch, deren unterschiedliche Namen übrigens daraus resultieren, dass die Porsche-Tochter Louise in den Namen Piëch hineinheiratete.

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

Die Porsches haben mit gut 50 Prozent der PSE-Stämme ein leichtes Übergewicht zu den Piëchs. Das liegt daran, dass in den 1980er Jahren ein Piëch-Spross (Ernst) sein Paket versilberte und es zu gleichen Teilen an die zwei Familienflügel ging, was die Aufteilung verschob.

Jedoch zwingen Verträge den PS-Clan, mit einer Stimme zu sprechen. Die Porsches können die Piëchs also nicht überstimmen - trotz des leichten Übergewichts bei ihren Stammanteilen. Zudem ist geregelt, dass Anteilsverkäufe der Familie angedient werden müssten. Es kann also gegen den Willen des Clans nichts an Externe fallen.

Die Opfer des Ferdinand Piëch
Porsche wehrt sich gegen Gerichtsentscheidung
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Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich in vielen Machtkämpfen durchgesetzt. Einer seiner großen Coups war die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche. In seiner langen Karriere hat Piëch schon so manchen Top-Manager aus dem Weg geräumt.

Piëchs Karriere
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Von 1963 bis 1972 arbeitet der Enkel des legendären Ferdinand Porsche selbst bei dem Sportwagenbauer. Doch dann verständigen sich die Inhaberfamilien darauf, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Ferdinand Piëch macht trotzdem Karriere in der Autoindustrie. Eine wichtige Station ist Audi, wo er 1988 Chef wird. 1993 übernimmt er das Steuer bei der Konzernmutter Volkswagen. Die Entwicklung bei Audi verfolgt er dennoch aufmerksam weiter – und lässt seine Nachfolger gleich reihenweise über die Klinge springen.

Franz-Josef Kortüm
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Als erster bekommt Franz-Josef Kortüm zu spüren, dass ausgewechselt wird, wer Piëch nicht passt. Der neue Mann an der Audi-Spitze kritisiert seinen Vorgänger, er habe ihm Parkplätze voller unverkaufter Autos zurückgelassen. Nach nur 13 Monaten muss Kortüm gehen. Offiziell, weil er die Erwartungen an die Absatzzahlen nicht erfüllt hat.

Herbert Demel
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Abgelöst wird Kortüm von Herbert Demel. Doch der selbstbewusste Manager gerät mehrfach mit Ferdinand Piëch aneinander. Das Ende vom Lied: Demel muss den Platz als Audi-Chef räumen und wird nach Brasilien strafversetzt.

Franz-Josef Paefgen
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Und noch ein dritter Audi-Chef fällt Piëch zum Opfer: Franz-Josef Paefgen. Dessen Entlassung ging ein Zeitungsinterview des VW-Chefs voraus, in dem er Paefgen "Stillstand" bei Audi vorwarf. Gemunkelt wird aber, Paefgen sei dem VW-Chef zu erfolgreich geworden. Er wird zur VW-Tochter Bentley verschoben.

José Ignacio López
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Angst und Schrecken verbreitet Piëch bei weitem nicht nur in Ingolstadt. Den berühmt-berüchtigten Kostendrücker José Ignacio López wirbt der VW-Chef zunächst 1993 bei General Motors ab. 1996 lässt Piëch ihn fallen, weil Vorwürfe laut geworden waren, López habe Geheimpapiere von GM zu VW mitgebracht. Die Konzerne beenden ihren Streit mit einem Vergleich.

Bernd Pischetsrieder
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2002 wechselt Piëch an die VW-Aufsichtsratsspitze. Als seinen Nachfolger auf dem Posten des Vorstandschefs verpflichtet er Bernd Pischetsrieder. Doch wieder einmal ist Piëch unzufrieden. Er und Pischetsrieder kommen nicht miteinander zurecht. Obwohl der Vertrag des Bayern noch auf der Hauptversammlung 2006 um fünf Jahre verlängert wird, muss er Ende des Jahres seinen Posten räumen. Piëch stürzt ihn in einer Nacht- und Nebel-Aktion.

Ferdinand Piëch und seinem Bruder Hans Michel sind nach jüngsten Informationen jeweils 13,16 Prozent der PSE-Stammaktien zuzuordnen. Mit der weiteren Erbfolge fächern sich die Anteile auf. Der Clan der Porsche-Nachfahren zählt inzwischen viele Dutzend Mitglieder.

  • dpa
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