Wirtschaft sieht Investitionschancen in Albanien
Hochtief erhält Zuschlag für Flughafen in Tirana

Die Hochtief Airport GmbH hat den Zuschlag zur Modernisierung und zum Betrieb des albanischen Flughafens in der Hauptstadt Tirana erhalten. Eine Hochtief-Sprecherin bestätigte das Ende der sechsmonatigen Verhandlungen. Der Vertrag sei unterschriftsreif. Nach Informationen des Handelsblatts will der albanische Ministerpräsident Fatos Nano das Vorhaben noch im September unterschreiben.

BERLIN. Sobald das Projekt vom albanischen Parlament abgesegnet ist, sollen die Bauarbeiten beginnen. „Wir rechnen damit, dass wir den Flughafen im Winter übernehmen“, sagte die Hochtief-Sprecherin. Die Konzession zum Betrieb des Flughafens wird für 20 Jahre gewährt. Hochtief betreibt bereits den Flughafen Athen. Zum Konsortium in Albanien gehören neben dem einzigen industriellen Partner Hochtief die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und der Albanian American Enterprise Fond, eine von der US-Regierung zur Unterstützung der albanischen Privatwirtschaft gegründete Fondsgesellschaft. Das Vertragsvolumen wollte Hochtief nicht beziffern.

Rezzo Schlauch, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, wertete die Entscheidung als ein Signal für den Mittelstand. „Das wird Interesse nach sich ziehen“, sagte der Grünen-Politiker dem Handelsblatt.

Bislang finden sich erst wenige deutsche Unternehmen in Albanien, das zu den ärmsten Ländern Europas gehört. Mercedes, Volkswagen und Schering haben albanische Vertretungen, Preussag hat einen Joint-Venture-Vertrag zur Ölförderung abgeschlossen. Direktinvestitionen fließen noch spärlich. „Albanien hat bislang vor allem von Finanzhilfen anderer Staaten oder Überweisungen von Albanern im Ausland gelebt“, berichtet Michael Harms vom Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft. Das Auswärtige Amt beschreibt das Investitionsklima in Albanien als „schwierig“.

„Eine schwache Verwaltung und Justiz sind oft nicht fähig und gelegentlich nicht willens, die – häufig wechselnden – Rechtsvorschriften anzuwenden“, schreiben die Diplomaten auf ihrer Internetseite. Harms macht Unternehmern dagegen Mut: „Verbannt Albanien nicht von vornherein von euren Investitionszielen.“ Das Land mit 3,5 Millionen Einwohnern habe in den vergangenen fünf Jahren große Fortschritte gemacht, zudem gebe es viele Nischen. Harms: „Es gibt zum Beispiel keine einzige westliche Handelskette.“

Nach dem Zusammenbruch des staatlichen Zentralismus 1991 ist das Land heute klar auf die Europäische Union ausgerichtet. Wirtschaftsvertreter glauben, dass deutsche Unternehmen beste Chancen haben, in Albanien zum Zuge zu kommen. Das Interesse an deutschen Produkten gilt als groß. Eine Absicherung von Exporten über die staatliche Hermes Kreditversicherung ist möglich. Albaniens Wirtschaft legt mit Wachstumsraten um sechs Prozent zu.

Das weckt zunehmend deutsches Interesse: Neben Hochtief haben auch die Siemens AG und der Baukonzern Strabag International GmbH Albanien im Visier. Die Infrastruktur sei „am Boden“, begründet Strabag-Manager Karl-Heinz Müller. „Da gibt es viel zu tun.“

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%