Wirtschaftsfonds Deutschland
Stahlfirmen pumpen Steuerzahler an

Die deutsche Stahlindustrie ruft immer lauter nach Staatshilfe. Nach Schmolz+Bickenbach hat nun laut Handelsblatt-Informationen auch die bayerische Industriegruppe Max Aicher Subventionen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland beantragt. Dabei soll es sich um eine Bürgschaft im oberen zweistelligen Millionenbereich handeln. Die Konkurrenz fürchtet eine Wettbewerbsverzerrung.

FRANKFURT/BERLIN. Die Krise auf dem Stahlmarkt trifft die Max-Aicher-Gruppe, der einzige in Bayern verbliebene Stahlhersteller, besonders hart. Die Gesellschaft ist auf die Geschäftsfelder Automotive und Baustahl fokussiert; die Kunden in beiden Bereichen halten sich mit Bestellungen zurück.

Firmenchef Max Aicher hatte kürzlich mit Verweis auf die schwache Nachfrage einen verhaltenen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr gegeben. Nachdem die Auftragslage in der ersten Jahreshälfte deutlich rückläufig gewesen sei, erwarte er für das Gesamtjahr einen Rückgang der Produktion um 30 bis 40 Prozent.

Die Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit 3 000 Beschäftigen einen Jahresumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Gebündelt ist das Stahlgeschäft in der Tochter Lech-Stahlwerke, über die der Bürgschaftsantrag gestellt wurde, wie es in Branchenkreisen hieß. Die Firmengruppe lehnte einen Kommentar dazu ab.

Einen Hinweis auf die wirtschaftliche Lage der Gruppe gibt der harte Konflikt mit der IG Metall. Firmenchef Aicher hat den Tarifvertrag bei Lech-Stahlwerke gekündigt. Die Wochenarbeitszeit soll von 40 auf 48 Stunden steigen.

In Berliner Regierungskreisen hieß es, dass der Antrag - wie auch der von Schmolz+Bickenbach - noch nicht reif für eine Entscheidung sei. "Bis der Lenkungsausschuss sich damit befassen kann, wird es einige Wochen dauern."

Wettbewerber kritisieren die Rufe nach Staatshilfe. Vertreter mehrerer Firmen äußerten Bedenken, dass durch Bürgschaften der Wettbewerb verzerrt werden könnte. Sollte der Staat der Max-Aicher-Gruppe und Schmolz+Bickenbach beispringen, hätten diese wegen günstigerer Kredite einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Finanzexperten stützen diese Sicht: "Natürlich wird der Wettbewerb verzerrt, wenn Staatsbürgschaften einseitig vergeben werden", sagte BHF-Analyst Hermann Reith.

Der Vorstandschef des Familienkonzerns Schmolz+Bickenbach, Benedikt Niemeyer, verteidigte den Antrag auf staatliche Unterstützungsmittel. Eine Verzerrung des Wettbewerbs gebe es dadurch nicht, sagte er dem Handelsblatt. Dem Vernehmen nach hat das börsennotierte Unternehmen den Antrag von mehr als einer halben Mrd. Euro auf nun 200 bis 300 Mio. Euro reduziert.

Ende Juni stand der Konzern mit 908 Mio. Euro in der Kreide. Aufgelaufen sind die Schulden vor allem durch den Kauf von Stahlwerken. Mit dem frischen Kapital will sich der börsennotierte Konzern aber auch für die Erholung der Nachfrage rüsten, wie Niemeyer sagte. Zum dann nötigen Aufbau der Lagerbestände ist zusätzliches Geld nötig. Das zu 70 Prozent von den Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach kontrollierte Unternehmen verhandelt dazu mit den Banken über einen Kreditrahmen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro. Nach Angaben Niemeyers zeichnet sich bereits eine leichte Erholung ab. Zum November sollen daher die Preise angehoben werden. "Das ist nötig, damit wir 2010 bei geringeren Volumen eine akzeptable Marge hinbekommen."

Mit ihren Bürgschaftsanträgen stehen die Unternehmen nicht alleine in Europa. Die österreichische Voestalpine hatte zu Wochenbeginn einen Antrag auf Staatsgarantien in Höhe von 300 Mio. Euro angekündigt. Mit dem Kapital soll die Liquidität abgesichert werden. Schwergewichte wie Thyssen-Krupp oder Arcelor-Mittal besorgen sich dagegen per Ausgabe neuer Aktien oder Anleihen frisches Geld.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%