Wirtschaftskriminalität in Deutschland über Durchschnitt
Cybercrime und Geldwäsche werden unterschätzt

Deutschland liegt einer Studie zufolge bei Wirtschaftskriminalität über dem westeuropäischen Durchschnitt. Im Branchenvergleich tritt die Wirtschaftskriminalität dabei in Banken am Häufigsten auf.

Reuters FRANKFURT. In den vergangenen zwei Jahren seien fast 40 % aller deutschen Unternehmen von Wirtschaftskriminalität geschädigt worden, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price-Waterhouse-Coopers am Mittwoch in Frankfurt mit. Deutschland habe damit leicht über dem westeuropäischen Durchschnitt von 34 % gelegen. Die häufigsten Delikte seien Veruntreuung und Cybercrime - kriminelle Handlungen mittels Kommunikationstechnologien, etwa über das Internet.

Der finanzielle Verlust aus den verschiedenen Delikten schlage im Durchschnitt für ein Unternehmen mit rund zwei Mill. € zu Buche, sagte Steffen Salvenmoser, Experte für Wirtschaftskriminalität bei PWC. Darin seien alle Fälle vom Diebstahl eines Schraubenziehers bis hin zur Bestechung bei einer Pharmazulassung eingeschlossen.

Im Vergleich zur Studie von 2001 sei die Zahl der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen in Deutschland zwar um fast acht Prozent zurückgegangen, teilte PWC mit. „Das lässt noch keinen sicheren Trend auf Rückgang zu“, ergänzte Salvenmoser. Es sei davon auszugehen, dass nicht alle Fälle ans Licht kämen. In Deutschland würden fast zwei Drittel der wirtschaftskriminellen Handlungen durch Zufall oder interne Hinweise entdeckt.

Es habe sich in der Studie ferner gezeigt, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen tatsächlicher und geschätzter Häufigkeit krimineller Handlungen herrsche, erläuterte Salvenmoser. So vermuten rund 20 % der Befragten, dass Falschbilanzierung das häufigste Delikt sei. „Da hat ganz klar die Entwicklung der vergangenen Jahre Einfluss auf die Wahrnehmung genommen“, sagte Salvenmoser mit Blick auf Bilanzskandale bei Enron und Worldcom. Auch Industriespionage und Korruption wurden in ihrer Bedrohung überschätzt, sie machen nur ein beziehungsweise sechs Prozent der Vergehen aus. Cybercrime und Geldwäsche wurden der Studie zufolge in ihrer Häufigkeit indes unterschätzt. Ihr Anteil an der Zahl der Fälle beläuft sich auf zwölf beziehungsweise drei Prozent.

Für die Studie befragte PWC nach eigenen Angaben weltweit Vorstände und Geschäftsführer von 3623 Unternehmen. Rund die Hälfte davon seien in Westeuropa ansässig. In Deutschland seien 150 Unternehmen befragt worden.

Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen gaben der Studie zufolge an, ihre Schutzmaßnahmen seien seit der vorangegangenen Studie besser geworden. So würden beispielsweise Ethik-Kurse veranstaltet, damit sich die Mitarbeiter besser mit dem eigenen Unternehmen identifizierten. Dennoch rechnen etwa die Hälfte der deutschen Unternehmen, dass sie in den kommenden fünf Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen sein werden. „Wirtschaftskriminalität ist und bleibt auch zukünftig eine Bedrohung“, resümierte PWC-Partner Karl-Heinz Maul.

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