Wirtschaftskrise
BASF-Chef behält sich Entlassungen vor

Von einem Versprechen, keine Mitarbeiter zu entlassen, hält BASF-Chef Jürgen Hambrecht nichts. Der Konjunktureinbruch sei zu gravierend, als dass große Konzerne entsprechende Zusagen geben können. Kritik übt Hambrecht auch an Banken.

HB FRANKFURT. "Die Wucht des Abschwungs ist durchschlagend", sagte der Vorstandschef des weltgrößten Chemiekonzerns der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einem Vorabbericht zufolge. "In solch einem Umbruch kann es industrieweit keine Garantie auf den Verzicht betriebsbedingter Kündigungen geben." In jüngster Zeit haben sich Vorschläge zur Lösung der Krise gehäuft. Dazu zählten auch Forderungen aus der Politik, zumindest die im deutschen Leitindex Dax aufgelisteten 30 größten deutschen Konzerne sollten auf Kündigungen verzichten.

BASF hat auf den Nachfrageeinbruch bereits reagiert und die Produktion in vielen Anlagen heruntergefahren. Auch Kurzarbeit sei nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen legt weltweit rund 80 Anlagen vorübergehend still und drosselt die Produktion in weiteren gut 100 Anlagen.

Für das erste Quartal des neuen Jahres rechnet Hambrecht in der deutschen Industrie "mit relativ schlechten Zahlen auf breiter Front". Die Nachfrage in der Autoindustrie breche zum Teil um bis zu 50 Prozent ein, im Lastwagenbereich in Extremfällen sogar um bis zu 100 Prozent. "Das hat natürlich Folgen für uns. Zumal auch andere Branchen wie Bau, Elektronik, Textil, Leder, Spielzeug und Möbel weltweit leiden."

Um die Krise zu lindern, fordert der BASF-Chef unter anderem Steuersenkungen und rasche staatliche Investitionen. Erneut rügte er auch die Banken. "Es gibt eine Kreditklemme, weltweit", sagte Hambrecht. Wenn Bank-Vorstände wie Josef Ackermann dies leugneten, habe er dafür kein Verständnis. "Die Politik muss eingreifen, damit die eingefrorenen Kredite wieder aufgetaut werden."

So gut das staatliche Rettungspaket von rund 500 Milliarden Euro "für die Banken war, so schade finde ich es, dass nicht alle Geldhäuser unter den staatlichen Schirm gezwungen wurden", betonte der Chef des Ludwigshafener Unternehmens. "Jetzt sanieren sich die Banken erst mal selbst, zulasten der Kunden", ergänzte Hambrecht. "Und wenn sie in ein, zwei Jahren ihre Unterkapitalisierung behoben haben und wieder gute Ergebnisse vorweisen, fragt niemand, wie viele ihrer Kunden auf der Strecke geblieben sind. Das finde ich höchst bedenklich."

Hambrecht zufolge haben viele Bürger die Härte des Abschwungs noch nicht realisiert. "Es wird Schweiß und Tränen geben." In vergangenen Schwächephasen habe der Rest der Welt regionale Wirtschaftsflauten ausgleichen können. "Jetzt haben wir eine synchrone Rezession. Das ist neu", stellte er fest.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%