Wirtschaftskrise
Chemieindustrie drosselt Produktion

Nach der Autoindustrie drosseln jetzt auch immer mehr große deutsche Chemiekonzerne ihre Produktion. Das Leverkusener Chemieunternehmen Lanxess kündigte am Mittwoch an, es werde bis Anfang Januar in einem Drittel der 45 deutschen Betriebe die Herstellung herunterfahren.

HB LEVERKUSEN. Auch Bayer hat nach Angaben eines Firmensprechers angesichts des weltweiten Nachfrageeinbruchs damit begonnen, die Produktionsmengen zu verringern. Beide Unternehmen bestätigten damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Weltmarktführer BASF hatte bereits im November angekündigt, 80 Anlagen zeitweilig außer Betrieb zu nehmen und in weiteren 100 die Produktion zu drosseln. Unterdessen geht in der Autoindustrie die Produktionsdrosselung Medienberichten zufolge auf breiter Front weiter. Immer mehr Zulieferfirmen planen danach inzwischen Kurzarbeit, verlängerte Werksferien oder die Trennung von Leiharbeitern.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warnte aber vor pauschalem Konjunkturpessimismus. Der in Oldenburg erscheinenden "Nordwest-Zeitung", sagte er, den Folgen des Konjunktureinbruchs könnten die Firmen "ihre im letzten Abschwung deutlich gestärkte Substanz entgegensetzen".

Kannegiesser bemühte sich, die Sorgen der Beschäftigten vor Kahlschlägen in der Belegschaft zu zerstreuen. Die Metall- und Elektrobranche sei entschlossen, ihre Fachkräfte "durchs Tal zu bringen", zitierte ihn das Blatt. Die Unternehmen könnten dabei auf einen ausgefeilten tarifpolitischen Werkzeugkasten zurückgreifen. Das könne Beschäftigungsverluste zwar nicht verhindern, aber deutlich lindern. "Im Mittepunkts steht dabei, die Beschäftigung so weit wie möglich zu sichern", sagte er.

Lanxess-Sprecher Rudolf Eickeler sagte der AP, der Konzern bekomme natürlich die gesunkene Nachrage in der Industrie zu spüren. Das Unternehmen habe deshalb bereits im Sommer damit begonnen, Produktionskapazität in Übersee zu drosseln und die Herstellung in die deutschen und europäischen Werk zu verlagern. Doch reiche dies nicht aus. Der Konzern werde deshalb nun auch in Deutschland die Produktion herunterfahren. Dies könne durch eine geringere Auslastung der Anlagen, aber auch durch eine vorübergehende Stilllegung geschehen. Wie viele Mitarbeiter von den Produktionskürzungen betroffen sein werden, konnte der Sprecher noch nicht sagen.

Auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer fährt nach eigenen Angaben seine Kunststoffproduktion zurück. Firmensprecher Frank Rothbarth sagte der AP, geplant sei, die Herstellung durch einen Mix aus geringerer Auslastung der Kapazitäten und temporärer Stilllegung von Anlagen der verringerten Nachfrage anzupassen.

Unterdessen geht auch in der Autoindustrie die Produktionsdrosselung auf breiter Front weiter. Nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) planen zahlreiche Zulieferer in Nordrhein-Westfalen Produktionskürzungen, verlängerte Werksferien oder Kurzarbeit. Andere Firmen schickten ihre Leiharbeiter nach Hause.

In Mecklenburg-Vorpommern rechneten laut "Nordkurier" bei einer Umfrage des Branchen-Netzwerks automotive-mv 60 Prozent der befragte Autozulieferer damit, im ersten Halbjahr Kurzarbeit nutzen zu müssen.

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