Wirtschaftskrise
IG Metall will Pakt für kürzere Arbeitszeit

Krisenbetriebe sollen die Arbeitszeit verkürzen können. Die IG Metall will in Baden-Württemberg ein entsprechendes Tarifpaket aushandeln. Zentrales Element: Die befristete 28-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber geben sich vorsichtig interessiert.
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BERLIN. Die IG Metall will mit den Arbeitgebern im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg kurzfristig ein Tarifpaket mit Arbeitszeitverkürzungen für Krisenbetriebe aushandeln. Geschäftsleitung und Betriebsrat sollen eine Option erhalten, die Wochenarbeitszeit zeitweilig bis auf 28 Stunden abzusenken, um Jobs zu sichern. Parallel will die IG Metall den Unternehmen auch eine Entlastung bei den Lohnkosten ermöglichen. Normalerweise gilt in der Metall- und Elektroindustrie die 35-Stunden-Woche.

„Die Zeit drängt“, begründete Bezirksleiter Jörg Hofmann seinen Vorstoß auf einer Strategiekonferenz in Böblingen. Verhandlungen darüber könnten nicht bis zur regulären Lohnrunde im Frühjahr 2010 warten. „Die Zeit zerrinnt uns sonst wie Sand zwischen den Fingern – und mit ihr die Arbeitsplätze“, warnte er. Die IG Metall will auf einem bestehenden Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aufbauen. Dieser sieht die Option vor, die Wochenarbeitsszeit per Betriebsvereinbarung von 35 auf 30 Stunden zu verkürzen. Proportional reduziert sich die Bezahlung um 14 Prozent. Der Tarifvertrag wird in einer Reihe von Firmen alternativ oder ergänzend zur Kurzarbeit genutzt, um Jobs zu sichern.

Die Option einer Arbeitszeitverkürzung um weitere zwei Stunden könnte in kritischen Fällen zusätzlichen Spielraum schaffen, kalkuliert die IG Metall. Allerdings will sie dafür dann einen „Teillohnausgleich“ festschreiben, damit die Lohneinbußen nicht zu groß werden. Der Arbeitgeber würde dann faktisch mehr als 28 Stunden bezahlen. Hilfe erhofft sich die IG Metall dabei von der Politik: Diese solle den Lohnausgleich steuer- und abgabenfrei stellen, forderte Hofmann.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall zeigte sich prinzipiell aufgeschlossen für Verhandlungen – vorausgesetzt, es werde auch über die Kosten der Jobsicherung gesprochen: „Fest steht, dass die Unternehmen diese Kosten nicht alleine schultern können“, betonte Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick. Hintergrund ist, dass sich etliche Betriebe bei der Jobsicherung allmählich den Grenzen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten nähern.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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