Wirtschaftskrise
Thyssen-Krupp prüft betriebsbedingte Kündigungen

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat wegen der Stahlflaute im Auftaktquartal weniger verdient und schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. An der Börse stimmten die Zahlen positiv – der Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie legte deutlich zu.

HB DÜSSELDORF. „Die globale Rezession hat im ersten Quartal 2008/2009 bei Thyssen-Krupp deutliche Spuren hinterlassen“, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag in Düsseldorf. Der Vorsteuergewinn brach um knapp zwei Drittel auf 240 Mio. Euro ein, Umsatz und Auftragseingang gingen zurück. Seit September mussten knapp 3 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, weitere sollen folgen. Er rechne mit einem noch schwierigeren zweiten Quartal, sagte Schulz, sprach aber von einer einsetzenden Erholung auf dem chinesischen Markt. Für das Gesamtjahr stellte der Chef von Deutschlands Branchenprimus trotz Umsatz- und Ergebnisrückgang schwarze Zahlen in Aussicht.

Die ersten Reaktionen am Markt waren positiv: Ein Händler sprach von „überraschend guten“ Zahlen und lobte vor allem den Auftragseingang. Der Ausblick liege im Rahmen des Wettbewerbers Arcelor-Mittal. Vorbörslich legte die Aktie in einem fest erwarteten Markt um etwa drei Prozent zu.

Mit dem Stellenabbau reagiert ThyssenKrupp auf die Zuspitzung der Krise. Bei etwa zwei Drittel der bislang abgebauten Stellen im In- und Ausland handelt es sich um Leiharbeiter. Die Größenordnung der weiteren Personalmaßnahmen wollte Schulz nicht nennen – die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Die Maßnahme konzentriert sich vor allem auf Stahl und Edelstahl, aber auch andere Sparten wie Services sind betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen wollte der Thyssen-Krupp-Chef nicht ausschließen. „Das kann ein Vorstand seriöserweise nicht ausschließen.“ Man bemühe sich aber um sozialverträgliche Maßnahmen.

Wie anderen Stahlkonzernen macht ThyssenKrupp vor allem der Einbruch der Autoindustrie und des Maschinenbaus zu schaffen. Insgesamt seien die Auftragseingänge auf dem deutschen Stahlmarkt in den letzten drei Monaten 2008 um knapp 47 Prozent eingebrochen „und damit so stark wie noch nie zuvor in der Nachkriegszeit“, sagte Schulz. Bei Thyssen-Krupp sanken die Auftragseingänge um drei Prozent auf 12,9 Mrd. Euro – vor allem bei Stahl und Edelstahl blieben Bestellungen aus. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 11,5 Mrd. Euro zurück. Den Gewinn belasteten zusätzlich hohe Abschreibungen auf die Vorräte und weitere Vorlaufkosten für die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Insgesamt blieb der Stahlkocher mit seinen Zahlen über den Erwartungen der Analysten.

„Die gegenwärtige Krise ist in ihrer Heftigkeit ein Novum“, betonte Schulz. Er kündigte weitere Produktionskürzungen an, diese müssten aber von Quartal zu Quartal entschieden werden. „Wir müssen auf Sicht fahren.“ Für das Gesamtjahr rechnet der Stahlmanager zwar mit einem erheblichen Umsatz- und Ergebnisrückgang, stellte aber schwarze Zahlen in Aussicht. „Wir werden das Jahr mit einem deutlichen Gewinn abschließen.“ Lediglich die Edelstahlsparte kommt um einen Verlust nicht herum – bereits im ersten Quartal schrieb der Bereich vor Steuern einen Verlust von 249 Mio. Euro. Eine konkrete Prognose wollte Schulz nach wie vor nicht wagen: „Eine seriöse Einschätzung des Geschäftsverlaufs in den kommenden Monaten ist derzeit noch nicht möglich.“ Eine Stabilisierung erwartet er erst 2009/2010.

Thyssen-Krupp hatte in Reaktion auf die Wirtschaftskrise ein umfangreiches Sparpaket eingeleitet, mit dem die Kosten in diesem Jahr um rund eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen. Allein 400 Mio. Euro sollen aus der Stahlsparte kommen, sagte Schulz. Mit zusätzlichen Maßnahmen wie der angekündigten Verschiebung des Edelstahlwerks in den USA und der Reduzierung des Nettoumlaufvermögens will der Konzern vor allem Kapital freisetzen. Denn im ersten Quartal hatte Thyssen-Krupp wegen der Kostenexplosion bei den Investitionen in Brasilien und den USA einen negativen Kapitalfluss von knapp 1,9 Mrd. Euro. Die Verschuldung lag Ende Dezember bei rund 3,5 Mrd. Euro – fast zwei Mrd. Euro höher als Ende September.

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