Wirtschaftskrise
Versorger setzen weniger Energie ab

Die Krise drückt den Energieverbrauch, besonders in der Industrie. Gut fünf Prozent weniger Strom und Gas wurden von den Versorgern 2009 abgesetzt. Dies wirkt sich im kommenden Jahr auf die Strompreise aus, allerdings reagieren die Anbieter unterschiedlich.
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HB BERLIN. Private und gewerbliche Kunden haben 2009 nach ersten Schätzungen gut fünf Prozent weniger Strom und Gas verbraucht als im Vorjahr. Wichtigster Grund sei die "verminderte Industrieproduktion als Folge der Finanzkrise", berichtete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Freitag in Berlin. In der Industrie sei der Gas- und Stromabsatz um rund elf Prozent gesunken. In Privathaushalten stagnierte die Energienachfrage in etwa, ebenso in von der Konjunktur weniger beeinflussten Sparten wie Handel oder Dienstleistungen. Der Anteil der Industriekunden am gesamten Strom- und Gasverbrauch beträgt etwa 45 Prozent.

Der Stromabsatz ging insgesamt den Angaben zufolge von 548 Mrd. Kilowattstunden im Vorjahr auf etwa 519 Mrd. Kilowattstunden zurück. Der Gasverbrauch sank im selben Zeitraum um von 942 auf rund 890 Mrd. Kilowattstunden trotz des vergleichsweise harten und langen Winters. Am deutlichsten sank die Energienachfrage 2009 im April: So wurden etwa 35 Prozent weniger Gas und knapp 14 Prozent weniger Strom im Vergleich zum Vorjahresmonat an alle Kundengruppen abgesetzt.

Zahlreiche städtische Betreiber, regionale und überregionale Unternehmen haben allerdings für Anfang 2010 teils zweistellige Preisaufschläge angekündigt. Doch es gibt auch gute Nachrichten - denn andere Betreiber senken ihre Preise sogar.

Das Internetportal verivox.de ermittelte Mitte Dezember rund 140 Versorger, die ihre Preise erhöhen wollen. Andere behalten sich Preisschritte für später vor. Branchenprimus Eon will die Preise mindestens bis Ende März 2010 stabil halten.

Doch das ist nur eine Seite der Strompreisentwicklung: Der schärfer werdende Wettbewerb hat nämlich das Preisgefüge in der Branche ordentlich durcheinandergewirbelt. Die Bundesnetzagentur, die seit einigen Jahren die Netzdurchleitung reguliert, hat zudem dafür gesorgt, dass der Wettbewerb durch einen fairen Netzzugang angeschoben wurde. Und so gibt es neben den Unternehmen, die die Preise erhöhen, auch andere Betreiber, die nach unten anpassen.

Während früher die Versorger fast durchweg im Gleichschritt marschierten, sei der Strommarkt inzwischen uneinheitlich geworden, erklärt Thorsten Storck von verivox. Und das zum Vorteil der Verbraucher: "Die Preisspannen werden größer, die Zahl der Anbieter steigt und der Wettbewerb wird stärker", erläutert der Energieexperte. Das eröffnet den Verbrauchern neue Möglichkeiten, durch einen Anbieterwechsel die Haushaltskasse zu schonen.

Ein Preisvergleich bei verivox zeigt: In Großstädten wie Köln oder München kann ein Vier-Personen-Haushalt mit 4 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch im Vergleich mit dem Grundversorgungstarif des örtlichen Betreibers mehr als 200 Euro sparen. Noch günstiger kann es auf dem Lande werden: In Grevenbroich am Niederrhein beispielsweise sind im günstigsten Tarif Einsparungen von mehr als 300 Euro möglich, in Staufen im Breisgau mehr als 330 Euro und in Gera und Prenzlau sogar fast 400 Euro im Jahr. Unter den Billigheimern machen vor allem Unternehmen wie die FlexStrom AG und Teldafax von sich reden.

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