Wirtschaftsstraftaten: Chinas Justiz steckt Manager in den Knast

Wirtschaftsstraftaten
Chinas Justiz steckt Manager in den Knast

Nach Rio Tinto ist nun auch ein Staatsunternehmen von extrem harten Strafen betroffen. Ein ehemaliger Manager wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil das Gericht es als erwiesen ansah, dass er Staatsgeheimnisse verraten haben soll.
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PEKING. Ein chinesisches Gericht hat einen ehemaligen Manager zu 20 Jahren Gefängnis veruruteilt, weil er Staatsgeheimnisse an den europäischen Atomkonzern Areva verraten haben soll. Ein weiterer Vorwurf gegen Jiang Xinsheng laute Bestechung, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters aus Justizkreisen. Jiang hatte bis zu seiner Festnahme den staatlichen Kraftwerksbauer China National Technical Import and Export Corporation geleitet. Areva selbst war von den Vorwürfen zu keine Zeit betroffen.

Die Polizei hatte den heute 56-jährigen Jiang im Jahr 2008 im Zusammenhang mit einer Ausschreibung festgenommen, die vier Jahre zuvor stattgefunden hatte. Damals hatte zwar der japanisch-amerikanische Konkurrent Westinghouse den Zuschlag für den Hauptauftrag erhalten, doch für Areva fiel eine Order für zwei Druckwasserreaktoren im südchinesischen Taishan ab. Jiang soll den französischen Anbieter über die Gebote der Wettbewerber informiert haben, berichtete vor zwei Jahren die Zeitschrift „Caijin“.

China zeigt besondere Härte gegenüber Wirtschaftsstraftaten hochrangiger Manager. Im Juni erst erhielt ein Mitarbeiter des britischen Bergbaukonzerns Rio Tinto, Hu Stern, eine Strafe von zehn Jahren aufgebrummt. Sein Kollege Wang Yong musste sogar für 14 Jahre hinter Gitter. Hu hatte als Chef der chinesischen Eisenerzsparte von Rio Tinto etwa 600 000 Euro dafür kassiert, bestimmte chinesische Verhandlungspartner bei der Belieferung mit vergleichsweise kostengünstigen Rohstoffen zu begünstigen.

Die örtlichen Richter haben auch Hus Geschäftspartner auf der chinesischen Seite zu Haft verurteilt. Der Chef des Stahlherstellers Shougang, Tan Yixin, erhielt eine Gefängnisstrafe von dreineinhalb Jahren. Der Zorn der Justiz trifft auch andere Branchen: Der Milliardär Huang Guangyu geht demnächst für 14 Jahre in eine Zelle. Die Anklage lautet auf Bestechung und Insiderhandel. Huang, einst als Gründer der Elektrokette Guomei ein gefeierter Entrepreneur, muss außerdem etwa hundert Mio. Euro Strafe zahlen.

Auch der Handelszar Mou Qizhong, einst reichster Mann Chinas, musste vor wenigen Monaten wegen Kursbetrug ins Gefängnis. Bereits im Jahr 2004 traf es den Shanghaier Immobilienhai Zhou Zhengyi, der nach Verhandlungen vor mehreren Instanzen zu einer 16-jährige Haftstrafe verurteilt wurde. Er hatte staatliche Fördermittel in seine private Immobiliengesellschaft umgeleitet.

Nach Jahren besonders schneller Entwicklung strebt Chinas Führung eine Besinnung zu einer moralischeren Wirtschaftsweise an. Die Chancen für den Aufstieg waren in der Phase schnellen Wachstums enorm, doch offenbar auch die Versuchungen, Abkürzungen zu schnellem Reichtum zu nehmen. In China sind die Einkommen so ungleich verteilt wie in nur wenigen anderen Ländern, was zunehmend zu Neid und Unzufriedenheit in der Bevölkerung führt – schließlich waren noch vor lediglich 30 Jahren praktisch alle im Lande gleich arm. Die schweren Strafen gegen die Millionäre und Manager gelten daher als Versuch, die Kultur der Bereicherung in den Griff zu bekommen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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