WM in Südafrika
Sportbranche gibt sich sozial

Schlechte Arbeitsbedingungen, Mini-Löhne und ständige Angst um den Job: Seit Jahren kritisieren Organisationen wie die Clean Clothes Campaign die Zustände in den Zulieferbetrieben der Sportkonzerne. Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gehen die Anbieter jetzt in die Offensive.

MÜNCHEN. „Corporate Social Responsibility“ (CSR) nennt sich das soziale Engagement – und das steht derzeit hoch im Kurs, weil die Medien ausgiebig vom Confed Cup in Südafrika berichten. Durch das Vorbereitungsturnier auf die WM rückt das Land ins Blickfeld der Öffentlichkeit.

„CSR nimmt in unserer Strategie in Südafrika eine wichtige Rolle ein“, sagt Gavin Cowley, der vor Ort die WM-Vorbereitungen von Adidas koordiniert. Der zweitgrößte Sportartikelanbieter der Welt unterstützt gemeinnützige Organisationen in dem Land und finanziert neue Sportplätze. Mitarbeiter des fränkischen Unternehmens haben im Dezember dabei sogar selbst Hand angelegt.

Konkurrent Puma geht einen anderen Weg. Das Unternehmen arbeitet eng mit Lieferanten in Südafrika zusammen. „Wir forcieren die lokale Produktion für den Markt vor Ort“, sagt Reiner Hengstmann, CSR-Verantwortlicher bei der Nummer drei der Sportbranche. Mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat Puma ein Projekt gestartet, in dem Lieferanten Nachhaltigkeitsberichte erarbeiten. Das soll die Firmen dazu bringen, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und umweltfreundlicher zu produzieren.

Experten beurteilen die Vorhaben der Sportkonzerne mit gemischten Gefühlen. „Wir sehen immer wieder, dass die CSR-Themen nach einer großen Ankündigung der Unternehmensführung schnell an die PR-Abteilung durchgereicht werden“, sagt Hartmut Heinrich von der Hamburger Unternehmensberatung Vivaldi Partners. Dadurch würden die Projekte nach einem anfänglichen Hype schnell wieder untergehen. Gegen solche Kritik wehrt sich Puma-Manager Hengstmann. „Wir machen keine Einmal-Aktionen“, sagt er. „Unsere CSR-Aktivitäten sind langfristig angelegt und reichen weit über die WM 2010 hinaus.“

Eine andere Strategie ist Puma auch nicht anzuraten – schon allein aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn sich die Sportkonzerne nicht ernsthaft mit CSR auseinandersetzen, würden Kunden mitunter schnell und heftig reagieren, sagt Berater Heinrich. So auch im Jahr 2000, als das Buch „No Logo“ von Naomi Klein erschien. Darin beschreibt die Autorin die Ausbeutung der Beschäftigten der Zulieferer, Kinderarbeit und die Förderung von totalitären Systemen. „Als Folge haben viele aufgebrachte Käufer ihre Schuhe vor den Nike-Laden an der 5th Avenue in New York geworfen“, sagt Heinrich.

Damit sich solche Szenen nicht wiederholen, haben die Sportkonzerne eigene CSR-Abteilungen aufgebaut, die regelmäßig über ihre Arbeit berichten. Zudem pflegen die Anbieter den Kontakt zu den Nicht-Regierungsorganisationen wie der Clean Clothes Campaign. Die Firmen starten dabei die unterschiedlichsten Vorhaben, um ihr soziales Engagement herauszustellen. So kauft Puma seit einiger Zeit biologisch angebaute Baumwolle aus Afrika ein. Allerdings ist der Anteil an der gesamten Produktion noch gering – lediglich zwei Prozent der Kollektionen der Marke mit dem Raubtier stammen daraus. Immerhin: Den Fans der von Puma ausgestatteten afrikanischen Nationalteams werden nun T-Shirts aus Baumwolle angeboten, die auf dem eigenen Kontinent angebaut worden ist.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%