Wolfsburg oder Braunschweig?
Die Fußballnöte des VW-Konzerns

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Katastrophenjahr in Wolfsburg

Frank Witter, im Konzernvorstand für Finanzen zuständig, dürfte bei einer Relegation ebenfalls Loyalitätsprobleme bekommen. Witter saß viele Jahre im Aufsichtsrat von Eintracht Braunschweig und wohnt selber in der Stadt. Als oberster Aufseher über die Finanzen müsste er allerdings eher daran interessiert sein, dass die vom Konzern beim VfL Wolfsburg angelegten Millionen gut investiert sind. „Ein Lokalderby würde mich in die Bredouille bringen“, gesteht er ein. Am Ende würde er aber wahrscheinlich doch immer zum Kleineren und vermeintlich Schwächeren halten – und das wäre der Zweitligist aus Braunschweig.

Die sportliche Ausgangslage wäre bei einem Aufeinandertreffen beider Teams ziemlich klar: Die Eintracht würde gern wieder in der obersten deutschen Spielklasse mitmischen. Der einzige Meistertitel von 1967 ist lange vergessen, das einjährige Zwischenspiel in der Bundesliga während der Saison 2013/14 ebenfalls.

Hinter dem VfL aus Wolfsburg liegt ein Katastrophenjahr. Eigentlich ist der Verein mit der Vorgabe angetreten, ganz oben mitmischen zu wollen, vielleicht sogar in der Champions League. Doch das Gegenteil ist passiert: Die Wolfsburger spielen gegen den Abstieg und versuchen es in dieser Saison inzwischen mit dem dritten Trainer.

Das schlechte Anschneiden des VfL dürfte besonders im Konzern für eine neue Nachdenklichkeit gesorgt haben. Volkswagen hat zwar nie ganz genau gesagt, wie viele Millionen das Unternehmen für den Werksklub ausgibt. 100 Millionen Euro dürften es in den besten Jahren gewesen sein. Doch die Dieselaffäre zwingt das Unternehmen auch in der Sportförderung zu mehr Sparsamkeit, angeblich stellt Volkswagen jetzt nur noch rund 70 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Im Vergleich zu anderen Bundesliga-Mannschaften liegt der VfL damit immer noch recht weit oben. Dass die Wolfsburger auch mit diesem Etat gegen den Abstieg kämpfen, ist für den Verein eine herbe Enttäuschung.

Ein Abstieg aus der Bundesliga, dann möglicherweise auch noch in der Relegation gegen die Braunschweiger Eintracht, wäre eine echte Katastrophe. Schon wird in den sozialen Medien darüber gewitzelt, dass es eine Konzernorder geben könnte – und dass die Eintracht in der Relegation verlieren muss.

Für den gesamten Volkswagen-Konzern ist die Saison 2016/17 sowieso schon miserabel verlaufen. Nicht nur, dass der VfL Wolfsburg seine Saisonziele komplett verpasst hat. Der FC Ingolstadt steht bereits als Absteiger aus der Fußball-Bundesliga fest. Und bei den Bayern gehört – wenig überraschend – die Volkswagen-Premiumtochter Audi zu den Hauptsponsoren. Einen weiteren Absteiger aus dem VW-Konzern, das sollte es deshalb nun partout nicht geben.

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Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Keine Sorge , der Hamburger SV ist Relegationameister und es gibt in England
    schon einen festen Wettplatz für den HSV. Das Spiel geht unentschieden aus und
    dann kommt das Spiel gegen Braunschweig.

    Eine Mannschaft die 6.0 gegen die Arminia verloren hat , hat an diesen Tag Arbeitsverweigerung betrieben. Was sollen die gegen den HSV ausrichten.

    Zumal das erste Spiel gegen den HSV als Braunschweig Erstliga war , glatt für Braunschweig verloren ging. Ich war im Stadion und es war das erste Spiel, das der HSV endlich gewonnen hatte.

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