Wolfsburger Autokonzern startet im Jahr 2010 Produktion in Nordamerika
VW plant US-Werk mit Porsche

Das neue Auto-Imperium von Porsche und Volkswagen nimmt konkrete Formen an. Der VW-Konzern plant ein neues Werk in den USA, in dem erstmals auch Modelle von Audi und sogar von Porsche vom Band laufen könnten. Die Deutschen starten ihre Attacke in Nordamerika zu einem kritischen Zeitpunkt. Entsprechend skeptisch zeigen sich die Experten.

WOLFSBURG. VW-Chef Martin Winterkorn treibt das US-Projekt mit Macht voran. "Noch vor der Sommerpause im Juli werden wir das Thema US-Werk zur Entscheidung in den Aufsichtsrat bringen", sagte Winterkorn dem Handelsblatt. Die Produktion in den USA solle bereits 2010 anlaufen.

Europas größter Autobauer legt sich damit erstmals auf einen konkreten Zeitplan für sein US-Engagement fest. Widerstand aus dem Aufsichtsrat muss Winterkorn nicht fürchten. Vorsitzender des Kontrollgremiums ist Ferdinand Piëch, der gemeinsam mit der Familie Porsche den Zuffenhausener Sportwagenhersteller beherrscht. Porsche ist seit 2005 größter VW-Aktionär und strebt die Mehrheit an. Auch der VW-Betriebsrat signalisiert seine Zustimmung. Konzern-Betriebsratschef Bernd Osterloh kündigte an, bereits im Juni Gespräche mit den US-Gewerkschaftskollegen zu führen. Winterkorn habe eine überzeugende US-Strategie vorgelegt, sagte er dem Handelsblatt.

Für welchen US-Standort sich Winterkorn entscheidet, ist unklar. Noch im Rennen sind die Bundesstaaten Alabama, Tennessee und Michigan, hieß es in Unternehmenskreisen. Jetzt gehe es nur noch darum, wer die größten finanziellen Zugeständnisse macht.

Der VW-Chef hat sich vorgenommen, in den nächsten Jahren den japanischen Branchenführer Toyota von der Weltspitze zu verdrängen. Das geht nur durch erhebliche Fortschritte in den USA, wo das Geschäft von VW schwach ist. Der Konzern hat sich für den US-Markt ehrgeizige Ziele gesetzt. In den nächsten zehn Jahren muss Volkswagens neuer US-Statthalter Stefan Jacoby den jährlichen Verkauf der Kernmarke VW von derzeit gut 230 000 auf 800 000 Autos steigern. Ohne ein neues Werk in den USA ist das nicht denkbar.

Mit der neuen Fabrik will Winterkorn auch die Belastungen durch den schwachen Dollar-Kurs in den Griff bekommen. Außerdem verspricht sich VW von der gemeinsamen Produktion mit der Ingolstädter Premiumtochter Audi eine drastische Verringerung der Kosten. "Wir prüfen, ob wir dort die nächste Generation eines SUV (Geländewagen) von Audi gemeinsam mit unseren Fahrzeugen produzieren können", sagte Winterkorn. Das wäre sicher die kostengünstigere Variante gegenüber einem eigenen Audi-Werk.

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