Woodside im Fokus
Kauft BHP in Australien zu?

Investoren in Australien spekulieren über eine Milliardenofferte des australisch-britische Bergbaugiganten BHP Billiton für den Öl- und Gasförderer Woodside. Deren Chairman Michael Chaney heizt die Spekulationen sogar noch weiter an.
  • 2

DÜSSELDORF, SYDNEY. In Australien verdichten sich Spekulationen um eine Übernahme von Woodside Petroleum. Als potenzieller Bieter für den größten Öl- und Gasproduzenten des Landes wird an allererster Stelle der australisch-britische Bergbaugigant BHP Billiton gehandelt. Ausgelöst wurden die Spekulationen durch Royal Dutch Shell. Der Ölmulti hat Anfang dieser Woche fast ein Drittel seiner Beteiligung an Woodside verkauft. Shell hält zwar immer noch 24,27 Prozent an der Firma, diese könnten dem Vernehmen nach aber ebenfalls bald zum Verkauf stehen.

Woodside-Chairman Michael Chaney heizt die Spekulationen weiter an. Es sei "natürlich", dass BHP eine solche Investition prüfe. "Sie haben das früher getan, deshalb könnten sie das jetzt wieder tun." Chaneys Stellungnahme hat umso mehr Gewicht, weil er bis 2005 im Aufsichtsrat von BHP saß und zeitweise sogar als Chef des Bergbaukonzerns im Gespräch war.

Eine Übernahme von Woodside wäre 34 Mrd. australische Dollar schwer, das sind 27,8 Mrd. Euro. Mit Woodside würde sich die Öl- und Gasförderung von BHP Billiton um mehr als 50 Prozent auf etwa 240 Mio. Barrel (je 159 Liter) erhöhen. Die Reserven des Konzerns stiegen um 80 Prozent. Darüber hinaus könnte BHP in den Erdgasfeldern im Gebiet North West Shelf Synergien zwischen den eigenen Anlagen und denen von Woodside nutzen.

Ein plausibler Plan B

Für BHP wäre der Kauf "ein plausibler Plan B", sagten Analysten von Morgan Stanley der Nachrichtenagentur Bloomberg. Denn erst vor wenigen Tagen hat die kanadische Regierung die Pläne von BHP blockiert, den Düngemittelerzeuger Potash zu übernehmen. Eine endgültige Entscheidung über den Deal soll in jetzt noch gut 20 Tagen fallen. Die Chancen, dass Kanada seine Position revidiert, werden als gering eingeschätzt. BHP hatte 38,6 Mrd. Dollar Potash geboten.

BHP-Chef Marius Kloppers hatte auch zuvor keine glückliche Hand bei seinen Übernahme- und Kooperationsplänen. Erst vor wenigen Wochen musste er sich von dem Vorhaben verabschieden, mit Konkurrent Rio Tinto ein Gemeinschaftsunternehmen zum Abbau von Eisenerz in Australien zu gründen.

Die Verkaufsgerüchte um Woodside haben in Australien bereits Widerstand geweckt. Dahinter steckt die Sorge, dass ausländische Unternehmen den Rohstoffsektor des Landes stärker kontrollieren. Schon des öfteren haben sich vor allem chinesische Firmen in Unternehmen des Landes eingekauft.

Woodside sei "das Gesicht" der Flüssiggasbranche, sagte Colin Barnett, Regierungschef von Westaustralien. Die Gesellschaft ist dort an mehreren Milliardenprojekten beteiligt und müsse australisch bleiben. Das sei eine "Frage des nationalen Interesses". Da BHP selbst australische Wurzeln hat, dürfte der Widerstand bei einem Interesse allerdings gering bleiben.

Kommentare zu " Woodside im Fokus: Kauft BHP in Australien zu?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man muß sich auch in Deutschland daran gewöhnen, daß die Politik von der Wirtschaft abhängig ist und nicht umgekehrt die Wirtschaft von der Politik. Wenn die Wirtschaft nicht läuft, bekommen Politiker die Watschen, dafür sorgen schon die bürger. im Gegensatz dazu kann die Wirtschaft gut gedeihen, denn sie findet immer einen Weg, um die Politiker zu umgehen.

  • Die Konzerne werden alle einfach zu groß und haben zu viel Macht. Egal ob es sich um Ölkonzerne, Erdgasvertreiber oder Pharmakonzerne bzw. Düngemittelproduzenten und -Vertreiber handelt. Wenn ein Konzern soviel Macht erlangt, dass er politisch so viel Einfluss hat, wie die Konzerne das schon haben, dann kann das nicht mehr gut sein. Weder für den Menschen selbst noch für seine Umwelt und am Ende auch nicht mehr für die Wirtschaft

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%