WTO-Verfahren könnte eingestellt werden
Flugzeugbauer stoppen Konfrontationskurs

Die USA und Europa wollen die Eskalation eines weiteren transatlantischen Konflikts vor der Welthandelsorganisation (WTO) in letzter Minute vermeiden. Im Dauerstreit um milliardenschwere Subventionen im Flugzeugbau streben der US-Hersteller Boeing und der europäische Konkurrent Airbus offenbar wieder bilaterale Verhandlungen an. „Wenn die Europäische Union ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist, sehe ich gute Chancen, von einem WTO-Verfahren abzusehen“, sagte der Vorsitzende von Boeing Deutschland, Horst Teltschik, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Voraussetzung dafür sei aber, dass Airbus künftig auf staatliche Kredite verzichte. Dies gelte auch für den geplanten neuen Großraumjet A350. Aus Boeing-Sicht sei die WTO „nicht die geeignete Plattform“ für die Auseinandersetzung der Wettbewerber, sagte Teltschik. Auch Airbus-Konzernchef Noël Forgeard hatte kürzlich betont, er bevorzuge eine Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen, weil ein WTOProzess neben hohen Kosten auch dauerhaft enorme Management-Kapazitäten binden würde.

Auf dem Höhepunkt des Streits hatte Boeing am 6. Oktober 2004 Klage vor der WTO eingereicht, die Airbus umgehend mit einer Gegenklage konterte. Bei der WTO treten die USA und die EU als Beschwerdeführer der Konzerne auf. Kurz vor Ablauf der zweimonatigen Beratungsphase zeichnet sich jedoch ab, dass weder Airbus noch Boeing daran interessiert sind, den Konflikt auf WTO-Ebene weiterzuführen.

Nach Informationen des Handelsblatts wird sich der neue EU-Handelskommissar Peter Mandelson bei seinem Treffen mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick am 6. Dezember in Paris um eine Annäherung zwischen Airbus und Boeing bemühen. Gelingt den Konfliktparteien nicht binnen zwei Monaten nach Einreichung einer Klage bei der Welthandelsorganisation eine Annäherung, hat der Kläger das Recht, ein WTO-Gremium mit der Prüfung des Falls zu beauftragen. „Dann wird es richtig ernst“, sagte ein Insider.

Eine Sprecherin von Mandelson sagte dem Handelsblatt: „Wenn wir einen Prozess vor der WTO vermeiden könnten, der am Ende nur beiden Seiten schadet, viel Zeit und Geld kostet, wäre das gut.“ Industriekreise rechnen zwar nicht damit, dass nach dem Treffen der Handelskommissare am kommenden Montag bereits konkrete Ergebnisse vorliegen werden. Europäer und Amerikaner könnten sich aber darauf verständigen, dass Airbus und Boeing die Verhandlungen wieder aufnehmen, um ein neues Abkommen zur Flugzeugfinanzierung vorzubereiten, hieß es.

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