Wüstenstrominitiative
Niederländer wird Desertec-Chef

Die Initiatoren des Wüstenstromprojekts Desertec haben nach Informationen des Handelsblatts eine zentrale Personalie geklärt: Das operative Geschäft der neuen Gesellschaft soll vom Niederländer Paul van Son geleitet werden, hieß es in Kreisen der beteiligten Unternehmen. Die Wüstenstrominitiative soll in einer Woche offiziell starten.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der Energiemanager Paul van Son, der früher unter anderem die Deutschland-Tochter des niederländischen Versorgers Essent leitete, wird als Chief Executive Officer (CEO) die Desertec Industrial Initiative Planungsgesellschaft (DII) leiten. Wahrscheinlich wird er später von einem namhaften politischen Repräsentanten unterstützt, der die Arbeit in der Öffentlichkeit flankieren soll. Das Unternehmen wird formell am kommenden Freitag, dem 30. Oktober, an den Start gehen und der Öffentlichkeit präsentiert.

Desertec ist das derzeit wohl ambitionierteste Infrastrukturprojekt weltweit. Es verfolgt die Vision, mit Solarstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten die europäischen Verbraucher zu versorgen. Spätestens 2050 soll Europa mit Hilfe großer solarthermischer Kraftwerke in der Wüste, deren Strom über große Trassen nach Norden transportiert wird, mindestens 15 Prozent seines Bedarfs decken. Ein großer Teil des Stroms soll aber auch den Produzentenländern zur Verfügung stehen. Das Investitionsvolumen des Projekts wird auf 400 Mrd. Euro geschätzt.

Mitte Juli formierte sich die Initiative, der inzwischen rund 20 Unternehmen aus Europa, aber auch Nordafrika angehören. Aus Deutschland nehmen unter anderem die Munich Re, die das Projekt angestoßen hat, Siemens, die Deutsche Bank und die großen Versorger Eon und RWE teil.

Jetzt wird die operative Gesellschaft gegründet. Sie soll bis 2012 einen Business-Plan erarbeiten und ausloten, ob das Vorhaben technisch und wirtschaftlich zu realisieren ist. Sitz des Unternehmens, das als GmbH organisiert ist, soll München sein. „Verschiedene Städte haben sich darum bemüht, Desertec in ihre Stadt zu holen“, hieß es im Umfeld der Verhandlungen. Die bayerische Regierung habe sich aber sehr dafür eingesetzt, das prestigeträchtige Projekt in der Landeshauptstadt anzusiedeln. Dort sollen Ende kommender Woche auch die Unterschriften unter den Gründervertrag gesetzt werden.

Mit van Son beriefen die Desertec-Mitglieder zwar einen in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Manager, aber einen anerkannten Energiefachmann. Der 56-jährige hat für den niederländischen Versorger Essent, der jüngst von RWE übernommen wurde, das Deutschland-Geschäft aufgebaut und das Unternehmen zu einem der erfolgreichsten ausländischen Wettbewerber auf dem schwierigen deutschen Energiemarkt gemacht. Van Son hatte dabei insbesondere das Engagement in der Windenergie vorangetrieben. Zurzeit ist er Chairman der Vereinigung der europäischen Energiehändler EFET.

Ein Munich-Re-Sprecher wollte die Personalie nicht bestätigen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er lediglich. Die GmbH werde schon sehr bald gegründet.

Seite 1:

Niederländer wird Desertec-Chef

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%