Wütende Proteste
Bombardier schließt Werk Halle

Es ist besiegelt: Der kanadische Bahntechnikhersteller Bombardier schließt das Waggonbau- Werk in Halle-Ammendorf mit 677 Beschäftigten endgültig. Ende 2005 ist dann alles vorbei.

HB HALLE/BERLIN. „Der Aufsichtsrat hat der Beschlussvorlage zugestimmt“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Witt, am Mittwoch in Berlin. Die Nachricht wurde von den rund 600 angereisten Waggonwerkern vor dem Tagungsort mit wütenden Protesten, Tränen und einem gellenden Pfeifkonzert aufgenommen. Mit dem Werk verliert Sachsen-Anhalt, das Land mit der bundesweit höchsten Arbeitslosigkeit, einen seiner bedeutendsten Industriebetriebe.

„Zu den Gründen ist am 17. März 2004 bereits alles gesagt worden“, sagte Witt. An diesem Tag hatte Bombardier die Schließungspläne verkündet. Seitdem bemühten sich Betriebsrat und IG Metall gemeinsam mit einer Unternehmensberatung um ein alternatives Konzept zum Erhalt des Traditionsstandortes. Witt versicherte, Bombardier werde alles tun, um jedem Einzelnen eine Chance auf einen Ersatzarbeitsplatz zu geben. Dazu sagte der Betriebsratschef von Ammendorf, Reiner Knothe: „Wir werden jetzt Bombardier zwingen, diese Versprechen mit der Arbeitsplatzhilfe umzusetzen. Noch ist nicht alles verloren“.

Der Bombardier-Konzern schließt Halle-Ammendorf im Rahmen eines weltweiten Restrukturierungsprogramms, durch das Überkapazitäten abgebaut werden sollen. Vorgesehen ist die Streichung von 6 600 Stellen rund um den Globus, davon 1 500 in Deutschland. Sollte der Waggonbau außerhalb des Konzerns weitergeführt werden, darf das Werk laut dem Schließungsbeschluss nicht im Kerngeschäft von Bombardier tätig werden, sagte der IG Metall-Vertreter im Aufsichtsrat von Bombardier Transportation, Antonius Engberding. „Damit ist eine Übernahme des Werkes durch einen konkurrierenden Konzern faktisch nicht möglich.“

Jahrelang hatten die Beschäftigten des letzten großen Industriebetriebes von Halle - die Region hat eine Arbeitslosenquote von 19,6 Prozent (Mai 2004) - erbittert um den Erhalt des Traditionsunternehmens gekämpft. Das Werk sollte bereits Mitte 2002 geschlossen werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte dies seinerzeit in letzter Minute verhindert. Vom Waggonbau sind auch rund 2 500 Arbeitsplätze bei Zuliefer- und Servicefirmen abhängig.

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