Wutreden
Porsche spürt den Unmut der Aktionäre

Die Investoren machen ihrer Wut über die Folgen der gescheiterten VW-Übernahme Luft. Wiedeking habe "Haus und Hof auf den Kasinotisch" gesetzt, sagte ein Akitonärsschützer. Dennoch zeichnet sich Zustimmung für die Kapitalerhöhung ab.
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STUTTGART. Die VW-Spitze hat alle Hände voll zu tun. Vorstandschef Martin Winterkorn und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch wollen bis 2015 mehr als 50 Milliarden Euro in neue Fabriken und Modelle investieren, der Absatz soll mittelfristig von gut sieben Millionen auf zehn Millionen Fahrzeuge steigen. Doch statt sich in Wolfsburg um das Große und Ganze zu kümmern, müssen die VW-Lenker in Stuttgart die Vergangenheit von Porsche bewältigen.

Am Dienstag warben Winterkorn und Pötsch in ihrer Rolle als Vorstände von Porsches Dachgesellschaft SE bei deren Hauptversammlung um die Gunst der Vorzugsaktionäre. Winterkorn bat um "Vertrauen" und "Zustimmung".

Ausgerechnet die Anleger, die Porsche bislang nur Geld geben durften, aber nichts zu sagen haben, hatten ihren großen Auftritt: 4 000 Aktionäre und 1 000 Gäste fanden den Weg in die Stuttgarter Messehalle eins - und machten die Veranstaltung zu großem Theater.

Wichtigster Punkt der Tagesordnung: Eine Kapitalerhöhung um bis zu fünf Milliarden Euro, um Porsches Schulden abzubauen und damit die Voraussetzung für das Zusammengehen mit Volkswagen zu schaffen. Das Unternehmen braucht das Geld, um die Spätfolgen der gescheiterten VW-Übernahme zu lindern.

Sechs Milliarden Euro Schulden hat der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dem Autobauer damit eingebrockt. Christian Strenger, Porsche-Aktionär und Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance, nannte das gescheiterte Unterfangen, Volkswagen mittels komplexer Optionsgeschäfte zu übernehmen, als "hasardeurhaftes Derivatespiel". Wiedeking habe "Haus und Hof auf den Kasinotisch" gesetzt, Porsche sei so in eine "Beinahe-Insolvenz" geschlittert.

Moderater formulierte Franz Wagner, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), den Unmut der freien Aktionäre: Bei Porsche sei vieles toll gelaufen, allerdings "am Schluss fast alles schief gegangen". Das Ergebnis: "Porsche-Chefs, die von Volkswagen kommen."

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