Xarelto
Bayer-Medikament nicht ganz so gut wie erhofft

Das Schlaganfall-Medikament von Bayer erreicht den primären Endpunkt in einer zentralen Studie; allerdings zeigt Xarelto offenbar keine besseren Daten als das Konkurrenzprodukt von Boehringer.
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FRANKFURT. Positive Studiendaten für das Thrombosemedikament Xarelto sorgten gestern für Optimismus bei Investoren von Bayer. Wie der Leverkusener Konzern mitteilte, hat sein Top-Entwicklungsprodukt in einem besonders wichtigen Test, der so genannten Rocket-AF-Studie, das primäre Ziel erreicht. Der Wirkstoff zeigte danach, dass er Schlaganfälle genauso gut vermeiden kann wie das Standard-Medikament Warfarin. Auch die Nebenwirkungen in Gestalt von Blutungen waren laut Bayer vergleichbar. An der Börse legten Bayer-Aktien in Reaktion auf die Meldung zeitweise mehr als drei Prozent zu, gaben einen Teil der Gewinne später aber wieder ab.

Analysten interpretierten die Mitteilung von Bayer als Bestätigung dafür, dass Xarelto gute Chancen auf eine Zulassung im Bereich der Schlaganfall-Prophylaxe, einem besonders umsatzträchtigen Einsatzgebiet, hat. Mit gewisser Enttäuschung werteten sie allerdings die Tatsache, dass der Wirkstoff - anders als das in den USA bereits zugelassene Konkurrenzprodukt Pradaxa von Boheringer - offenbar keine überlegene Wirkung gegenüber Warfarin zeigte. Davon jedenfalls ist in der knappen Mitteilung von Bayer keine Rede.

Die Hoffnung, dass Bayer den zeitlichen Rückstand von Xarelto gegenüber dem Boehringer-Produkt durch bessere klinische Daten kompensieren könnte, wurde damit zumindest aus Sicht einiger Analysten in Frage gestellt. "Xarelto wird wohl nicht ganz auf Augenhöhe mit Pradaxa in den Markt gehen können", schätzt etwa Martin Possienke von der Investmentbank Equinet. Genauere Daten aus der Rocket-Studie wollen Bayer und ihr US-Partner Johnson & Johnson allerdings erst Mitte November auf einem Fachkongress präsentieren. Es wird erwartet, dass die beiden Konzerne für das Produkt anschließend Zulassungsanträge in den USA und Europa einreichen.

Xarelto ist für Bayer das mit Abstand wichtigste Entwicklungsprojekt im Pharmabereich. Bisher ist das Mittel in Europa bereits zur Thrombose-Vorbeugung nach Hüft- und Knieoperationen zugelassen. Das weitaus größere Marktpotenzial bietet sich jedoch in der Schlaganfall-Prophylaxe bei Menschen mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmus-Störung, die mit einem erhöhten Risiko für Blutgerinnsel in den Venen verbunden ist. Schätzungsweise sechs Millionen, vorwiegend ältere Menschen leiden an dieser Krankheit in Nordamerika und Europa. Sie werden bisher, wenn überhaupt, mit dem rund 50 Jahre alten Medikament Warfarin behandelt, das als sehr schwierig zu dosieren gilt und leicht mit anderen Medikamenten sowie verschiedenen Nahrungsmitteln reagiert.

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