Xstrata/Anglo American
Xstrata-Pläne stoßen auf Widerstand

Das Fusionskarussell in der Rohstoffbranche nimmt wieder Fahrt auf. Nur zwei Wochen nachdem die britisch-australischen Minenkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto ihre australischen Eisenerzminen zusammengelegt haben, schlägt der Schweizer Rohstoffkonzern Xstrata dem Konkurrenten Anglo American eine Fusion unter Gleichen vor. Doch der Rivale lehnt ab. Nun warten die Märkte, ob sich eine Übernahmeschlacht entwickelt.

KAPSTADT/LONDON. Es ist nicht das erste Mal, dass Xstrata Anglo Avancen macht. Die Aussicht auf wieder steigende Rohstoffpreise gab den Schweizern offenbar den Mut zu einem neuen Anlauf. Doch Montagabend erteilte der Verwaltungsrat von Anglo ihnen eine deutliche Abfuhr. Aus strategischer Sicht sei eine solche Kombination für die Anglo-Aktionäre unattraktiv, teilte er mit und legte noch einen drauf: „Unabhängig vom strategischen Sinn sind die von Xstrata vorgeschlagenen Bedingungen völlig unakzeptabel.“

In Südafrika, der Heimat von Anglo American, wird die Konzernführung Rückendeckung finden. Der Konzern hat für das Land große Bedeutung. Anglo hat seit der Gründung 1917 die Industrialisierung Südafrikas so geprägt wie kein anderes Unternehmen. Noch Mitte der 90er-Jahre war der Konzern in fast jedem Industriezweig am Kap aktiv – vom Weinbau über die Autoindustrie bis zum Bankwesen. Doch seit dem Umzug der Zentrale nach London 1999 wandelte sich Südafrikas größtes Unternehmen zum globalen Minenkonzern.

Xstrata hingegen ist der aggressive Aufsteiger der Bergbaubranche. Der Südafrikaner Mick Davis formte seit der Jahrtausendwende durch Übernahmen für insgesamt 27 Mrd. Dollar fast aus dem Nichts einen globalen Minenkonzern. Er hat den mit Abstand größten Rohstoffhändler der Welt, die Schweizer Glencore, als Hauptaktionär im Rücken.

Vor diesem Hintergrund hält es der Kapstädter Investmentberater Heye Daun von Bright Resources für unwahrscheinlich, dass Südafrikas Regierung einer Fusion mit Xstrata zustimmen würde. Eine Fusion sei schon deshalb schwierig, weil Südafrikas Notenbankchef Tito Mboweni den erforderlichen Ausnahmen von den südafrikanischen Kapitalexportkontrollen zustimmen müsse.

Südafrikas Regierung könnte den Plan aus Sorge um mögliche Arbeitsplatzverluste platzen lassen. Rund drei Viertel der 105 000 Anglo-Beschäftigten arbeiten in Südafrika. Dort gibt es auch die stärksten Überschneidungen zwischen den beiden Konzernen. Das von Analysten auf zwischen 700 Mio. und 1,7 Mrd. Dollar geschätzte Einsparpotenzial würde vor allem am Kap anfallen. Ein Rückzug des Konzerns von der Börse Johannesburg würde deren Marktkapitalisierung um rund 15 Prozent verringern. All das kann dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der eng mit den Gewerkschaften verbunden ist, nicht gefallen. Allerdings hat auch Anglo bereits drastische Kostensenkungen angekündigt. 19 000 Stellen will Konzernchefin Cynthia Carroll streichen. Auch das wird Südafrika treffen.

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