Yukos-Entschädigungen

Weitere Milliardenstrafe für Russland

Erst am Montag hatte ein Gericht in Den Haag Russland zur einer Entschädigung an ehemalige Aktionäre des zerschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos verurteilt. Jetzt fordert ein zweiter Gerichtshof Milliarden.
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Versteinerte Miene: Auf Russland unter Wladimir Putin kommen Milliardenzahlungen zu. Quelle: AFP

Versteinerte Miene: Auf Russland unter Wladimir Putin kommen Milliardenzahlungen zu.

(Foto: AFP)

StraßburgRussland muss den ehemaligen Aktionären des im Jahr 2004 zerschlagenen russischen Erdölkonzerns Yukos insgesamt fast 1,9 Milliarden Euro Entschädigung zahlen. Dies entschied am Donnerstag der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Die in London ansässigen Rechtsvertreter der Yukos Oil Company hatten nach Angaben des Straßburger Gerichts zuletzt knapp 38 Milliarden Euro gefordert. Zeitweise hatte Yukos sogar eine Entschädigung in Höhe von 98 Milliarden Dollar (73 Milliarden Euro) verlangt – es war die höchste Schadensersatzforderung in der über 60-jährigen Geschichte des Gerichtshofes.

Die in London ansässigen Rechtsvertreter der Yukos Oil Company werfen Russland eine „versteckte Verstaatlichung“ des Konzerns vor. Das Straßburger Gericht hatte den Klägern im September 2011 teilweise Recht gegeben, damals aber noch nicht über die Höhe der Entschädigung entschieden.

Erst am Montag hatte der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag Russland dazu verdonnert, den ehemalige Yukos-Aktionären eine Entschädigung in Rekordhöhe von 50 Milliarden US-Dollar (37,2 Milliarden Euro) zu zahlen. Im Kern folgte das Gericht der Argumentation der Ex-Aktionäre. Demnach wurden sie bei der Zerschlagung des größten russischen Ölkonzerns vor zehn Jahren enteignet. Russland hat angekündigt, das Urteil anzufechten. Das rezessionsgefährdete und wegen des Ukraine-Konflikts mit Sanktionen des Westens belegte Land muss bis zum 15. Januar 2015 mit den Zahlungen beginnen, ansonsten fallen Zinsen auf die Summe an.

Yukos war zur Jahrtausendwende eine wirtschaftliche Macht. Doch Russland zerschlug den Konzern des einst reichsten russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski. Der Staat und Gerichte warfen Chodorkowski sowie mehreren seiner Geschäftspartner schwere Wirtschaftsstraftaten vor und nahmen ihn in Lagerhaft. Russland verkaufte die Aktiva von Yukos über mehrere Jahre bei Auktionen. Große Teile gingen an den Ölkonzern Rosneft, der von Putins treuem Gefolgsmann Igor Setschin geführt wird.

Dagegen zog der frühere Großeigentümer Group Menatep Limited (GML), dem zuletzt 51 Prozent der Yukos-Anteile gehörten, vor den internationalen Schiedsgerichtshof. Die Finanz-Holding warf dem Kreml vor, Yukos bewusst und mit Hilfe künstlich aufgeblasener Steuerforderungen zerschlagen zu haben. Sie argumentierte unter anderem mit der Internationalen Energie Charta, die Russland 1991 unterzeichnet hatte. Allerdings wurde die Charta nie ratifiziert.

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  • dpa
  • rtr
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34 Kommentare zu "Yukos-Entschädigungen : Weitere Milliardenstrafe für Russland"

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  • Russland wird mehr und mehr zu dem Land....

    in das man auswandern sollte.

    Eine Staatsführung, die keine US-Lakaien sind, bietet Leuten mit Pioniergeist, also Leute die mutig sind und was taugen, ausreichende Möglichkeiten in einem riesigen Land.

    Eine echte Alternative zur Dauerkonfrontation mit unseren Politschwächlingen, die doch mit den anhängenden Lobbyisten nur rücksichtlos ihren eigenen Vorteil verfolgen.

    US-Freiheit war gestern (kotz)!

  • Sorry, Andrea Merker, einer der drei Richter war von Russland nominiert, kein Russe, das hatte ich selber falsch gelesen. Das Urteil des Schiedsgerichts selbst war allerdings einstimmig... also auch der von Russland Nominierte hielt das Verhalten Russlands für illegal.

  • ... galt Herrn gerhard quell

  • (...)

    Washington und Kiew halten also keine Beweise zurück?! Ja, und die Erde ist eine Scheibe!!!

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Sittenlos... sind die Amerikaner und ihr ganzes Tun seit dem 2. WK.; andere Länder ausbeuten, mit ihrem wertlosen Dollar "bezahlen", Kriegstreiber wie es schlimmer nicht geht, verlogen, durchtrieben, mordend, ... America first.. besagt doch alles... die dürfen das ... der Rest der Welt nichts ...?!?!?! Hauptsache Putin hält durch !!!

  • Der einzige Unterschied zwischen der einstigen Propaganda / Manipulierung und der heutigen ist, dass trotz größerer Erkenntnis und mehr Möglichkeiten weniger dagegen gemacht wird. Nicht zu vergessen, dass kein Ministerium direkt den Titel zur Aufgabenerklärung innehält... Wobei die "Volksaufklärung" der ÖR-Medien ja in der Hinsicht gerne zur Hilfe eilt.
    Fürs Protokoll, ich bin kein Verschwörungstheoretiker der davon ausgeht, dass die allmächtigen Juden aus der USA ukrainische Zivilisten töten um ihre Macht auszuweiten oder Ähnliches... Jedoch leben wir in einer Zeit in der von dem gemeinem Bürger keine Faktenanalyse mit korrekter Schlussfolgerung erwartet werden kann. Woher auch. Wie heißt es so schön simpel: "Man erntet was man sät. Und man sät was man zum Säen bekommt.
    Schönen Tag.

  • Danke ! VOLLSTE ZUSTIMMUNG !!!!

  • Ich hatte den Herrn Reiner Zufall angesprochen und nicht Sie, der behauptete es wäre angeblich ein russischer Richter beteiligt gewesen. Im Artikel steht davon aber nichts.

    Warum fühlen Sie sich eigentlich angesprochen, haben Sie hier mehrere Identitäten und kommen gerade ein bisschen durcheinander?! Wie viele sind Sie denn noch Herr Maximilian Weißenfels?!

  • "Ich bitte also “demütig“ um einen Quellennachweis! "

    Nein - das werde ich nicht. Sie behaupten, die Systempresse hetze und behaupte systematisch unrichtiges und sind daher in der Bringschuld.

  • "Warum gehen Sie nicht auf meinen zweiten Absatz ein?!"

    Weil es ganz genau der gleiche unbewiesene Bullshit ist - das kann ich mir sparen. Der Großteil der Meldungen auf diesen "Newsseiten" ist hirnrissiger, durchsichtiger offensichtlich ausgedachter Blödsinn, der sich an ein Publikum wendet, das zu dumm zum aus dem Bus winken ist.

    Und genau die Leute, die solche Meldungen glauben und in den Foren verbreiten unstellen der Presse nun "Hetze" und "tendenziöse Berichterstattung" ? Wirklich?? Wundert es tatsächlich jemanden, dass die FAZ nicht solchen Quatsch bringt ??? Machen Sie sich nicht lächerlich...

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