Zäsur in Karlsruhe
IWKA verkauft Verpackungssparte an Finanzinvestor

Der Anlagenbauer IWKA steigt aus der Verpackungstechnik aus und verkauft die Sparte an den Berliner Finanzinvestor Odewald & Compagnie. Für IWKA kein schlechtes Geschäft – Analysten und Brancheninsider stufen den Preis als hoch ein. Die Mitarbeiterseite erlebte bei der Abstimmung im Aufsichtsrat eine böse Überraschung.

HB STUTTGART. Der Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauer verkauft seine Verpackungssparte für 255 Millionen Euro an die Berliner Beteiligungsgesellschaft Odewald & Compagnie. Diesen Beschluss fasste der Aufsichtsrat gestern mit sieben zu fünf Stimmen.

Wie das Handelsblatt berichtete, wollten die Arbeitnehmer den Verkauf an den Finanzinvestor verhindern. Sie favorisierten den strategischen Investor Coesia, einen italienischen Konkurrenten von IWKA. Bei der Abstimmung aber fehlte der Arbeitnehmerseite eine Stimme. Der Vertreter der leitenden Angestellten stimmte gemeinsam mit der Kapitalseite für Odewald & Compagnie. Die Gewerkschafter zeigten sich enttäuscht, verwiesen aber darauf, dass der Finanzinvestor für die 1000 Mitarbeiter in Deutschland (weltweit: 2500) eine vierjährige Standortgarantie abgegeben habe.

Der Finanzinvestor zeigte sich mit der Akquisition hoch zufrieden. „Die Verpackungssparte hat ein hohes technisches Niveau und bietet eine sehr gute Basis für eine Wachstumsstrategie, sagt Ernst-Moritz Lipp, Partner bei Odewald. Der Investor plane, durch internes Wachstums und Zukäufe den Umsatz von derzeit 400 auf 600 Mill. Euro auszubauen. Das Management der insgesamt 20 Firmen in der Verpackungssparte werde am Unternehmen beteiligt.

Analysten werteten den Preis, der 17 Mill Euro für eine Immobilie enthält, als hoch. Odewald zahlt ungefähr das Elffache des für 2007 erwarteten Ergebnisses vor Steuern und Zinsen. Vorherige Schätzungen lagen zwischen 200 und 230 Millionen Euro. Auch Vertreter der Kapitalseite bei der IWKA zeigten sich von dem erzielten Verkauf freudig überrascht.

Die IWKA konzentriert sich nun ganz auf die Anlagen- und Robotertechnik, in deren Zentrum der Augsburger Roboterhersteller KUKA steht. Mit dem bevorstehenden Umzug der Konzernverwaltung von Karlsruhe in die bayerische Stadt sollen zudem die einstigen Industriewerke Karlsruhe-Augsburg (IWKA) in KUKA AG umbenannt werden.

Eigentlich hatte IWKA die Verpackungstechnik nach dem Ausstieg aus der Rüstungsproduktion zu einem dritten Standbein ausbauen wollen, um sich von der Autokonjunktur unabhängiger zu machen. Auf Druck mehrerer großer Investoren - allen voran der Amerikaner Guy Wyser-Pratte - entschloss sich das Management im September 2006, sich doch von der Sparte mit 400 Mill. Euro Umsatz und 2500 Mitarbeitern zu trennen, die in den meisten Jahren die Gewinnerwartungen enttäuscht hatte.

In seinem Kerngeschäft will IWKA nun wieder zukaufen. Nach Informationen des Handelsblattes ist das Unternehmen an der Thyssen-Krupp- Tochter Drauz Nothelfer interessiert. Der Düsseldorfer Stahl- und Autozulieferkonzern prüft derzeit den Verkauf der Firma mit 500 Mill. Euro Umsatz und 2800 Mitarbeitern, müsste bei einem Verkauf allerdings voraussichtlich noch Geld für die Sanierung zur Verfügung stellen. IWKA und ThyssenKrupp wollten sich dazu nicht äußern.

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