Zafira und das Abgas

Opel unter massivem Betrugsverdacht

Hat neben Volkswagen auch Opel illegale Abschalteinrichtungen verbaut? Dieser Vorwurf steht seit Beginn des Dieselskandals im Raum. Nun will die Deutsche Umwelthilfe neue Beweise gefunden haben.
Update: 12.05.2016 - 15:52 Uhr
Der Autobauer steht unter Verdacht, bei dem Modell eine illegale Abschaltvorrichtung verwendet zu haben. Quelle: PR
Opel Zafira

Der Autobauer steht unter Verdacht, bei dem Modell eine illegale Abschaltvorrichtung verwendet zu haben.

(Foto: PR)

DüsseldorfDer Opel Zafira war einer der ersten Verdächtigen, als nach dem Dieselskandal bei Volkswagen auch Modelle anderer Hersteller getestet wurden. Immerhin stieß der Familien-Van aus Rüsselsheim auf der Straße nachweislich deutlich mehr Stickoxid aus als auf dem Prüfstand. Und auch bei den Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) wurde der Zafira explizit kritisiert. Der Hersteller – so die Einschätzung der Behörde – müsse nachbessern. Ein Rückruf, den Opel offiziell „freiwillige Servicemaßnahme“ nennt, soll bald starten.

Doch es könnte sein, dass auch Opel weit umfangreicher manipuliert hat als bisher angenommen. Nach Recherchen des ARD-Magazins „Monitor“ und des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sollen nun neue Beweise gegen Opel vorliegen, die dem Autobauer illegales Handeln nachweisen. Unterstützt wurden die Recherchen durch die Deutsche Umwelthilfe, die schon seit Jahren den hohen Stickoxidausstoß von Dieselmodellen kritisiert.

Bisher hatte Opel zwar eingestanden, dass die Abgasreinigung nur in einem Temperaturfenster zwischen 20 und 30 Grad vollumfänglich funktionsfähig sei. Offiziell wird diese Abschaltung mit dem Bauteilschutz begründet und zumindest vom Bundesverkehrsministerium nicht als illegal bewertet.

Nach jüngsten Recherchen enthält die Motorensteuer-Software von Opel aber weitere Abschalteinrichtungen, mit denen die Wirksamkeit der Abgasreinigung auch bei idealen Temperaturen massiv verschlechtert wird. Arbeitet der Motor mit einer Drehzahl über 2400 Umdrehungen, fährt das Fahrzeug mehr als 145 Stundenkilometer oder sinkt der Umgebungsdruck unter 915 Millibar (beispielsweise im Gebirge), soll die Abgasreinigung nicht wie gewohnt funktionieren. „Das wirkt, als wenn die Abgasnachbehandlung auf den Zyklus optimiert wurde“, wird Kai Borgeest, Motorspezialist an der Hochschule Aschaffenburg, zitiert.

Bei Opel wehrt man sich gegen den Vorwurf, man habe mit den Abschalteinrichtungen gezielt betrügen wollen. Man habe keine Software, die feststelle, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen werde – und verwende darum, anders als VW, auch keine verbotene Abschalteinrichtung. Außerdem zweifelt der Hersteller an, dass die Ergebnisse "objektiv und wissenschaftlich fundiert" seien, da Methoden und Protokolle der Prüfungen nicht zur Verfügung gestellt wurden.

Ein klares Dementi bleibt der Hersteller allerdings schuldig. Er verweist in seiner Stellungnahme auf die Komplexität der Motorensysteme. „Die verschiedensten Parameter wie die Motorendrehzahl, Last, Temperatur und Höhe spielen eine wesentliche Rolle und sind miteinander verknüpft. Solch ein komplexes System lässt sich nicht in einzelne Parameter zerlegen“, heißt es in der Mitteilung des Herstellers.

So tricksen die Autobauer beim Diesel
Volkswagen
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Seit Monaten tobt der Dieselskandal bei Volkswagen. Der Auslöser: eine Software, die erkennt, ob ein Auto auf dem Prüfstand steht. Um die Abgasprüfer hinters Licht zu führen, erkannten die Fahrzeuge mit 1.2-, 1,6- und 2.0-Liter TDI-Motor beispielsweise ob das Lenkrad bewegt wurde. Mittlerweile müssen etliche Modelle des Konzerns, darunter auch Passat und Golf darum zurück in die Werkstatt.

Volkswagen
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Auch bei den Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamtes sind Modelle der Wolfsburger negativ aufgefallen. Fast 200.000 Fahrzeuge müssen zurück in die Werkstatt, weil eine gesetzliche Ausnahmeregelung wohl zu weit ausgelegt wurde. Bei einer zu hohen oder zu niedrigen Außentemperatur schalten die Fahrzeuge ihre Abgasreinigung ab. Die Hersteller begründen das mit dem Motorenschutz. Der Gesetzgeber sieht das offenbar anders. Betroffen sind der Amarok, aber auch der Lieferwagen Crafter.

Audi
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Und auch die VW-Premiumtochter Audi spielt im Dieselskandal eine größere Rolle als zunächst angenommen. Das illegale Abschaltung der Abgasreinigung, die den Skandal auslöste, soll sogar in Ingolstadt mitentwickelt worden sein. Auch in den jüngsten KBA-Nachprüfungen überschritten einige Audi-Modelle den gesetzlichen Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß. Unter anderem muss der Q5 zurückgerufen werden.

Porsche
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Auch bei Porsche gehörte der Betrug zum Geschäft. Wenige Wochen nach dem Ausbruch des Dieselskandals musste auch der Sportwagenbauer eingestehen, dass seine 3-Liter-Dieselmotoren eine illegale Abschalteinrichtung enthalten. Auch bei den Nachprüfungen des KBA fiel ein Porsche-Modell unangenehm auf: ausgerechnet der kompakte Macan überschreitet die Stickoxid-Grenzwerte bei niedrigen Außentemperaturen.

Mercedes
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Die Sprachregelung bei Daimler wackelt: bisher hatten die Schwaben alle Vorwürfe, man habe beim Diesel betrogen weit von sich gewiesen. Doch bei den Nachprüfungen des KBA fielen A-Klasse, B-Klasse und V-Klasse aus dem Rahmen und müssen nun bei einem Rückruf überarbeitet werden. Alle haben übrigens eins gemeinsam...

Renault
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...Denn die Daimler-Diesel kommen aus einer Kooperation mit dem französischen Autobauer Renault. Der steht ohnehin schon unter Beobachtung der französischen Behörden, die nach dem Ausbruch des Dieselskandals mehrere Razzien bei Renault vornahmen. Der jüngste Bericht des KBA soll darum auch an die französischen Behörden weitergeleitet werden. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Opel
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Auch in Rüsselsheim sind die Dieselmotoren offenbar schmutziger als der Konzern es bisher zugegeben hat. Bei Zafira, Insignia und Cascada sind die Abgase wohl deutlich schmutziger, sobald die Temperatur unter 17 Grad fällt. Den vereinbarten Rückruf nennt man in Rüsselsheim "freiwillige Serviceleistung". Wohl auch um sich vor Schadenersatzforderungen zu schützen. Künftig sollen alle Modelle des Autobauers mit einem Harnstoff-Katalysator ausgerüstet werden.

Einige Experten halten das Vorgehen von Opel dennoch für illegal. „Wie bei VW gibt es auch bei Opel technische Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass die Abgasreinigung nicht so funktioniert, wie die EU-Verordnung das vorsieht. In beiden Fällen handelt es sich um eine nicht zugelassene Abschaltvorrichtung“, zitieren die beiden Medien Martin Führ, Experte für Umweltrecht an der Hochschule Darmstadt.

Das Bundesverkehrsministerium erklärte, dass man die neu gewonnenen Erkenntnisse des Rechercheteams vom KBA prüfen lassen werde. Die Frage, ob die gefundenen Abschalteinrichtungen als illegal bewertet werden, ist für Opel von immenser Tragweite. Denn bei den Nachprüfungen des KBA hatte der Hersteller diese technischen Vorrichtungen nicht angegeben. Die Deutsche Umwelthilfe fordert darum, dem Zafira zu Zulassung zu entziehen. Damit dürften die Autos vorerst nicht mehr gefahren werden.

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