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Zahl des Tages: Fahr Rad statt Fernseher

Euro kostet ein in Deutschland produziertes Fahrrad im Schnitt – eine Investition für mehr Volksgesundheit.

279 Euro kostet ein Fahrrad aus deutscher Produktion im Schnitt, 71 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Das teilt das Statistische Bundesamt zum heutigen Europäischen Tag des Fahrrads mit. Kein Wunder, dass viele Deutsche statt der Qualität Made in Germany lieber Billig-Importe aus dem Ausland kaufen: Mehr als die Hälfte der vier Millionen in Deutschland verkauften Fahrräder stammten im vergangenen Jahr aus Asien oder europäischen Nachbarländern.

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Woher die Fahrräder kommen, ist aber für die Volkswirtschaft gar nicht entscheidend, wenn man dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC glaubt. Hauptsache, es wird überhaupt geradelt. Denn: Wer Fahrrad fährt, senkt das Risiko von Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes.

Und das spart dem Staat viel Geld, rechnen die Fahrrad-Lobbyisten vor: Jeder Euro, den der Staat in den Radverkehr investiere, bringe einen volkswirtschaftlichen Gewinn von drei bis vier Euro, behauptet der ADFC. Da sollte sich der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr künftig kräftig in die Budgetplanung der Verkehrsminister einmischen. Zwei Kilometer Radweg für 500.000 Euro würden der Wirtschaft schließlich 1,5 Millionen Euro Ertrag bescheren. 328.000 Kilometer neuer Fahrradwege könnten das Staatsdefizit komplett ausgleichen, völlig autofreie Innenstädte würden die Staatskasse regelrecht fluten.

Die Weltgesundheitsorganisation hilft bei der Gesundheitsrechnung übrigens mit einem eigens entwickelten Online-Tool (www.heatwalkingcycling.org): Einfach die Eckdaten in den WHO-Rechner eingeben, und der Verkehrsminister weiß genau, was er zu tun hat: Rund siebzig Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland. Wenn jeder von ihnen nur 48 Stunden pro Jahr auf dem Drahtesel verbringt, also einmal pro Woche eine Stunde fährt, reduziert das das Sterblichkeitsrisiko laut Online-Auswertung insgesamt um sagenhafte 13,58 Prozent – was auch immer das heißen mag.

Leider kurbeln die Deutschen die Volkswirtschaft ohnehin lieber mit weniger gesundheitsfreundlichen Investitionen an. Für Fahrräder gaben sie im vergangenen Jahr gerade einmal 1,8 Milliarden Euro aus. Allein deutsche Kinos machten im selben Zeitraum fast halb so viel Umsatz, nämlich 850 Millionen Euro. Und für Unterhaltungselektronik wie Flachbildfernseher und Spielekonsolen legten die Deutschen sogar fast das Siebenfache hin: 12,5 Milliarden Euro. Niemand gibt in der EU so viel Geld für Unterhaltungselektronik aus wie die Deutschen – da sieht es schlecht aus für die Volksgesundheit.

Eine Strafsteuer auf Fernseher und Kinokarten müsste her, um die Deutschen von der Couch aufs Fahrrad zu bewegen. Oder FDP-Mann Bahr führt gleich eine Fahrrad-Subvention ein. Mit so was kennt man sich in der Partei ja aus.

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