Zahl des Tages
Schweden-Shopping

120 Millionen Euro will der chinesische Autokonzern Hawtai dem niederländischen Unternehmen Spyker Cars geben, dem die angeschlagene schwedische Automarke Saab gehört. Ein teures Geschäft für die Chinesen.
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120 Millionen Euro aus China sollen das Überleben des Autobauers Saab sichern. Diese Summe will der chinesische Autokonzern Hawtai in eine strategische Partnerschaft mit der niederländischen Saab-Muttergesellschaft Spyker einbringen. Der Geldsegen aus dem Reich der Mitte rettet das Saab-Werk im schwedischen Trollhättan aus größter Not. Die Mutter Spyker konnte zuletzt Lieferantenrechnungen ihrer Tochter nicht mehr bezahlen. Seit fast vier Wochen steht die Produktion still.

Das Engagement der Chinesen erscheint hochriskant. Immerhin legt Hawtai mit 120 Millionen Euro rund 1,5 mal so viel Geld auf den Tisch wie der niederländische Partner Spyker insgesamt an der Börse wert ist – das Unternehmen ist mit gerade einmal 82 Millionen Euro bewertet. Auch weil die Geschäftszahlen von Saab zuletzt erschreckend ausfielen: Allein im ersten Quartal haben die Schweden einen Verlust von 72 Millionen Euro angehäuft. Während deutsche Autobauer mittlerweile wieder Rekordgewinne erzielen, dümpelte der Absatz der Schweden zuletzt vor sich hin. Lediglich 32.000 Autos verkaufte Saab im vergangenen Jahr.

Angesichts dieser Zahlen wäre es möglich, dass die Chinesen ihr Geld in Schweden schnell verbrennen. Geht man davon aus, dass Saab auch in diesem Jahr 32.000 Wagen produziert, investiert Hawtai auf zwölf Monate gerechnet 3.750 Euro pro Auto, das vom Band läuft. Das nehmen die Chinesen in Kauf, weil sie an der Technologie und dem Knowhow des schwedischen Autobauers interessiert sind. So soll ab dem Jahr 2013 in den Fabriken von Hawtai das neue Saab-Modell 9.3 für den chinesischen Markt vom Band laufen. Dort sind die Verkaufschancen zumindest zahlenmäßig gut. Immerhin leben im Reich der Mitte rund 142 mal so viele potenzielle Kunden wie in Schweden.

Möglicherweise versucht Hawtai mit dem Einstieg bei Saab einem Deal aus dem vergangenen Jahr nachzueifern. Damals hatte ein anderes chinesisches Unternehmen in Schweden eingekauft. 1,34 Milliarden Euro musste der Geely-Konzern zahlen, um den Autobauer Volvo zu kaufen. Für jedes der jährlich 373.525 verkauften Volvo-Autos zahlten die Chinesen also knapp 3587 Euro. Das sind immerhin rund 4,5 Prozent weniger als Hawai jetzt bei Saab zahlt – obwohl Volvo anders als Saab nicht scheintot ist.

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  • Mit Sicherheit ist es immer noch besser für China als ihr Vermögen in amerikanischen Staatsanleihen zu belassen, die das Papier nicht mehr wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Für Chinas Autoindustrie ist es ein technologischer "Sprung nach vorn", egal, ob Saab am Ende überlebt oder nicht.

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