Zahlen fürs dritte Quartal
Delphi gerät tiefer in die Bredouille

Der insolvente US-Autozulieferer Delphi ist im dritten Quartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das belastet auch General Motors schwer. Eine Sanierung wird immer dringlicher, doch bisher sperren sich die Gewerkschaften.

HB TROY. Der Konzernverlust habe sich im Vorjahresvergleich von 119 auf 788 Mill. Dollar ausgeweitet, berichtete Delphi am Mittwoch vor Börseneröffnung in Troy bei Detroit. Der Verlust je Aktie betrug 1,40 Dollar nach minus 0,21 Dollar vor einem Jahr. Zum Verlust hätten Kosten von 136 Mill. Dollar für freigestellte Arbeitnehmer geführt, die zur Ex-Konzernmutter General Motors zurückkehren. Zudem gab es durch den Stellenabbau eine weitere Belastung von 85 Mill. Dollar.

Der Umsatz ging zwischen Juli und September von 6,64 auf 6,28 Mrd. Dollar zurück. Während der Erlös mit anderen Kunden um 5Prozent anzog, verringerte sich das Geschäft mit GM um 16 Prozent.

Zum laufenden Insolvenzverfahren nach Kapitel elf des US-Konkursrechts sagte Vorstandschef Robert Miller, "der beträchtliche Verlust in diesem Quartal belegt nur die dringende Notwendigkeit, unsere Arbeitskostenprobleme in den USA in den Griff zu bekommen". Das Unternehmen könne nicht auf unbegrenzte Zeit die US-Standorte weiter betreiben, die erhebliche Verluste verursachten.

Delphi leidet unter der Absatzflaute von GM in Nordamerika, steigenden Rohstoffkosten sowie höheren Kosten für Pensionen und Gesundheitskosten der Pensionäre. Die Konzernverluste würden weiter steigen, "bis es uns gelingt, im Rahmen des Chapter 11-Verfahrens einen wettbewerbsfähigen, nachhaltigen Plan für die Reorganisation des Unternehmens zu schaffen", sagte Miller.

Delphi verlangt Lohnkürzungen von derzeit 27 Dollar pro Stunde auf nur noch 9,50 Dollar. Zudem sollen etliche Werke geschlossen oder verkauft werden. Die Gewerkschaft UAW hat ihre Streikbereitschaft bereits signalisiert. Angesichts der harten Forderungen des Delphi-Managements seien die Chancen für eine gütliche Einigung sehr gering.

Bis Mitte Dezember müssen sich Vorstand und UAW einigen. Andernfalls will der Konzern über den Konkursrichter einseitig die Tarifverträge kündigen lassen und im Januar mit der Sanierung beginnen. In diesem Fall könnte die Gewerkschaft zu Streiks aufrufen, die vor allem beim wichtigsten Kunden GM verheerende Folgen hätten.

GM hatte mitgeteilt, das Risiko durch die ehemalige Tochter Delphi in der eigenen Bilanz betrage bis zu 12 Mrd. Dollar. Der Autobauer muss bei der Pleite die Pensionen der Delphi-Mitarbeiter schultern.

Nach Bekanntgabe der Delphi-Zahlen stufte die Ratingagentur Fitch die Bonitätsbewertung von GM noch tiefer in den „Ramsch“-Bereich. Fitch begründete den Schritt mit möglichen Kosten, die auf GM zukommen könnten, wenn sich der unter Konkursrecht arbeitender Zulieferer nicht mit den Gewerkschaften auf eine Senkung der Kosten einigen sollte.

Fitch reduzierte die Emittenten- und die Einstufung für vorrangige, langfristige Schulden auf „B-plus“ von bisher „BB“. Erst vor wenigen Tagen hatte Moody's Investors Service das bereits auf spekulatives Niveau reduzierte Langfrist-Rating um weitere zwei Stufen auf „B1“ von „BA2“ gesenkt. Ein niedrigeres Rating bedeutet höhere Kosten bei der Kreditbeschaffung.

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