Zahlen fürs dritte Quartal
Vioxx-Skandal lässt Gewinn von Merck & Co. unberührt

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat im dritten Quartal 2005 gut verdient. Der Umsatz ging allerdings zurück, vor allem wegen des umstrittenen Schmerzmittels Vioxx, das für den Tod von zahlreichen Menschen verantwortlich gemacht wird.

HB WHITEHOUSE STATION. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro), teilte das Unternehmen am Montag mit. Umgerechnet auf die einzelne Aktie bedeutet dies 65 nach 60 Cent. Analysten hatten im Schnitt mit einem geringeren Anstieg auf 62 Cent gerechnet. Der Merck-Umsatz gab wegen des Vioxx-Rückrufs sowie einem geringeren Absatz des Bestsellers Zocor, eines Cholesterin-Senkers, um zwei Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar nach. Dies lag im Rahmen der Erwartungen. Mit anderen Präparaten legte das Unternehmen um ein Prozent zu.

Der Neunmonatsumsatz des in Whitehouse Station (Bundesstaat New Jersey) ansässigen Unternehmens fiel um 6 Prozent auf 16,2 Milliarden Dollar. Der Neunmonatsgewinn sackte um 25 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar ab oder 1,59 Dollar je Aktie. Merck erwartet für das Gesamtjahr einen Gewinn von 2,18 Dollar bis 2,22 Dollar je Aktie.

Merck - nicht zu verwechseln mit dem deutschen Namensvetter - bezifferte die Zahl der Vioxx-Klagen zum Quartalsende auf 6400, wobei 11 700 verschiedene Klägergruppen vertreten seien. Es gebe 160 Sammelklagen. Das Unternehmen könne zur Zeit noch keine vernünftigen Schätzungen über mögliche Verluste im Hinblick auf die Vioxx-Klagen machen. Das Schmerzmittel, dass vor allem bei Rheumaerkrankungen eingesetzt wurde, führte bei längerer Einnahme zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Herzattacken und Schlaganfällen.

Merck hatte Ende 2004 ausschließlich für zukünftige Verteidigungskosten eine Rückstellung von 675 Millionen Dollar gebildet. Die Gesellschaft habe noch keinerlei Rückstellungen im Hinblick auf Schadensersatz bei Vioxx vorgenommen. Merck sieht sich nach Branchenschätzungen möglichen Milliardenforderungen gegenüber.

Eine Jury in Texas hatte Merck im ersten Vioxx-Fall im August zu einer Gesamtentschädigung von 253 Millionen Dollar verurteilt. Nach texanischem Recht liege die Entschädigungsobergrenze jedoch bei 26 Millionen Dollar, erklärte Merck. Ein zweiter Vioxx-Prozess findet derzeit im US-Bundesstaat New Jersey statt.

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