Zahlen unter der Lupe
Daimler hat viel verloren

Wohl kaum ein deutscher Konzern hat in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ein turbulenteres Auf und Ab erlebt als der Stuttgarter Automobilhersteller Daimler-Chrysler. Das hinterließ tiefe Spuren in der Bilanz. Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung, nimmt nun 20 Jahre Daimler-Zahlen unter die Lupe. Und kommt zu erschreckenden Ergebnissen.

DÜSSELDORF. Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Dieter Zetsche räumt ein Jahr nach Übernahme des Chefpostens bei Daimler-Chrysler die Hinterlassenschaften seines Vorgängers Jürgen Schrempp auf. Zetsche beendet durch die offizielle Trennung von Chrysler den Traum von der „Welt AG“. Schrempp seinerseits beerdigte vor gut zehn Jahren die Vision des Amtsvorgängers Edzard Reuter vom „Integrierten Technologiekonzern“.

Die neuen Herren im Chefsessel krempelten nicht nur die Strategie radikal um. Auch in den Bilanzen ist Großreinemachen angesagt. Schrempp produzierte 1995 einen Rekordverlust von 5,7 Mrd. Mark (2,9 Mrd. Euro). Schuld war natürlich Reuter. Und Zetsche wird 2007 zwar keinen Verlust, mit bestenfalls 1,7 Mrd. Euro aber in Relation zu seiner Prognose von 7 Mrd. Euro ein ziemlich mieses Ergebnis hinlegen. Diesmal wird der Verursacher Schrempp heißen.

Wohl kaum ein deutscher Konzern hat in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ein turbulenteres Auf und Ab erlebt als der Stuttgarter Automobilhersteller: der Einstieg beim maroden Mischkonzern AEG (1985), die Übernahme fast der gesamten Luft- und Raumfahrtindustrie des Landes (zwischen 1985 und 1990), Beteiligungen etwa am Softwarekonzern Cap Gemini und an der angeschlagenen Metallgesellschaft, anschließend der Rückzug und die Konsolidierung. Ende der neunziger Jahre folgte dann die automobile Einkaufstour mit Chrysler, Mitsubishi und Hyundai. Auch diese Neuerwerbungen werden rückabgewickelt.

Nur eines hat beim Daimler Kontinuität seit Mitte der achtziger Jahre: der stete Niedergang in der Rendite. „Daimler war einmal eines der rentabelsten Unternehmen dieser Republik“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Uni Saarbrücken. Mit einer Eigenkapitalquote von 26,2 Prozent und 18,2 Prozent Kapitalverzinsung konnte man sich sehen lassen.

Davon ist nicht viel geblieben. 17,5 Prozent Eigenkapitalquote und vier Prozent Kapitalrendite sind magere Ergebnisse für einen der maßgebenden Industriekonzerne dieser Welt. Im Zuge der Trennung von Chrysler spekulieren Analysten sogar schon darüber, ob die Rest-Daimler-AG mit rund 60 Mrd. Euro Börsenwert kein lohnenswertes Ziel für eine feindliche Übernahme sei.

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