Zahlreiche Unternehmen planen weitere Einschnitte
Sparwelle beherrscht die Wirtschaft

Sparen hat derzeit höchste Priorität in deutschen Unternehmen. Weniger Dienstreisen, Kürzungen im Einkauf, Stellenabbau – kaum eine Firma, die ihre Mitarbeiter nicht auf einen scharfen Sparkurs verpflichtet hat.

zel/jojo DÜSSELDORF. Wie ernst die Lage ist, dürfte die am Mittwoch von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlichte Zahl der Arbeitslosen zeigen. Von Arbeitsmarktexperten wird erwartet, dass die Zahl Ende Januar bei 4,55 Millionen liegt.

Und nachdem viele Unternehmen schon 2002 wegen schwacher Absatzzahlen massiv auf die Bremse traten, dürfte sich der Zwang zum Sparen in diesem Jahr noch verstärken – vor allem auf der Personalseite. „Es wird weitere Anpassungen geben“, ist Michael Träm, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung A.T.Kearney, überzeugt. Weil die erhoffte Belebung ausgeblieben ist und sich die Unternehmen angesichts der Irak-Krise noch stärker zurückhalten, könnten die Sparansätze drastischer ausfallen als 2002.

„In diesem Jahr werden die Einschnitte gravierender“, glaubt auch Jamie Anderson von der London Business School (LBS). Gemeinsam mit dem US-Software-Anbieter Ariba hat die LBS die 200 größten europäischen Unternehmen nach ihrem geplanten Ausgabenverhalten befragt. Fazit: Es drohe eine „Sparpanik“. Ein weiterer Stellenabbau scheint sicher. Für 2002 hat die LBS europaweit eine durchschnittliche Reduzierung des Einkaufsvolumens von 10 % ermittelt, in diesem Jahr könnten es sogar 12 % werden – quer durch alle Branchen.

Die großen deutschen Banken haben im vergangenen Jahr etwa 10 000 Arbeitsplätze abgebaut. „Das ist das Ergebnis der strukturellen Ertrags- und Kostenkrise“, sagt Heinz- Dieter Sauer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes. 60 % aller Kosten entfielen auf Personal – Einsparungen gerade in diesem Bereich seien für die Banken unausweichlich gewesen. Im neuen Jahr sei mit einem weiteren Personalabbau zu rechnen.

„Wir mussten den großen Schnitt machen“, sagt auch Georg Kofler, Chef des Pay-TV-Senders Premiere. Bei Milliarden-Verlusten sei dem Unternehmen nichts anderes übrig geblieben, als die Zahl der Mitarbeiter um 1 000 auf 1 400 zu reduzieren. Er gibt allerdings auch zu, dass Premiere anfangs zu heftig reagiert hat: 100 neue Mitarbeiter seien inzwischen wieder eingestellt worden.

Doch nicht alle Unternehmen suchen ihr Heil im Stellenabbau und loten stattdessen Alternativen aus. So versucht Fiat Deutschland, die schwierige Absatzsituation mit einer Mischung aus Quantitäts- und Qualitäts-Management in den Griff zu bekommen. Zwar sollen bis zum Frühjahr 100 von 600 Stellen gestrichen werden. Gleichzeitig hat der Autohersteller jedoch eine Trainingsoffensive begonnen, die die Qualität der Abläufe im Unternehmen steigern soll. Deutschland- Chef Klaus Fricke glaubt an den Erfolg und betont: „Es ist selten, dass jemand mitten in der Krise ein solches Programm startet.“

Unternehmensberater Träm sieht nicht nur bei Fiat, sondern auch in anderen Firmen positive Ansätze im Umgang mit dem Personal. „Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Innovation“, beobachtet er. Mitarbeiter würden eingesetzt, nach neuen Produkten, Dienstleistungen und Produktionsprozessen Ausschau zu halten. Innovation habe heute einen höheren Stellenwert als noch vor zwei oder drei Jahren und sei ein Weg, einen Teil des Personals zu halten und nicht noch mehr Kündigungen auszusprechen.

Die konjunkturelle Krise zeige ihre Auswirkungen aber auch auf diesem Feld: Die neuen Innovativ-Abteilungen müssten praktisch ohne zusätzliches Geld auskommen. „Dafür gibt es ganz wenig in den Unternehmen“, weiß Träm.

Einzelne Firmen schrecken vor einem Personalabbau zurück – gerade für den Fall, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte doch noch etwas beleben sollte. „Wir haben uns bewusst entschieden, kein Personal in den Geschäften abzubauen“, sagt Michael Busch, im Vorstand der Hagener Douglas-Gruppe für den Buch-Bereich Thalia verantwortlich. Eine Reduzierung der Stellen würde „an die Substanz gehen“.

Bei Thalia werde längerfristig gedacht, die aktuellen Probleme seien auch ohne Einschnitte in den Läden zu bewältigen. Bei einem Stellenabbau könne der angestrebte Standard bei Beratung, Kundenorientierung und Service nicht garantiert werden. Und darauf wolle Thalia nicht verzichten.

Quelle: Handelsblatt

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