Zahlung einer Sonderdividende
Milliarden für Time Warner

Time Warner streicht bei der geplanten kompletten Trennung von seiner Kabelnetzsparte einen Milliardengewinn ein. Mit der Aufspaltung verringert der weltgrößte Medienkonzern seine Schuldenlast um gut ein Drittel. Analysten fordern als nächstes den Verkauf von AOL.

PORTLAND/ NEW YORK. Die bereits börsennotierte Tochter Time Cable (TWC) zahlt vor der völligen Abspaltung eine Sonderdividende, die dem Mutterkonzern 9,25 Mrd. Dollar (umgerechnet 5,9 Mrd. Euro) in die Kasse spült. Time hält noch rund 85 Prozent an der zweitgrößten US-Kabelgesellschaft. Diese Beteiligung soll nun direkt an die Time-Warner-Aktionäre übergehen, teilte der Medienkonzern in New York mit.

Der seit Jahresbeginn amtierende Time-Warner-Chef Jeff Bewkes baut den Konzern derzeit um und konzentriert ihn auf das Kerngeschäft. Aktionäre hatten dies angesichts des Kursverfalls seit langem gefordert. Analysten fordern als nächsten Schritt den Verkauf des Internetportals AOL.

An der Wall Street wird bereits darüber spekuliert, dass eine finanziell gestärkte Time an der Übernahme von NBC Universal, der Film- und Fernsehtochter des Mischkonzerns General Electric, interessiert sein könnte. NBC Universal, die im GE-Konzern ein Fremdkörper ist, würde das Mediengeschäft von Time um eine Film- und Fernsehproduktion sowie um den nationalen TV-Sender NBC ergänzen. Zu Time gehören nach der Trennung von der Kabelnetzsparte das Warner Bros. Filmstudio, der Magazinverlag Time sowie die Kabelsender CNN, HBO, TBS und TNT.

Nach den bisher bekannten Plänen will Time den Aktionären von TWC - also überwiegend sich selbst - eine Sonderdividende von 10,27 Dollar pro Anteil zahlen. Zur Finanzierung der Ausschüttung soll die Kabelsparte 10,9 Mrd. Dollar an Schulden aufnehmen.

Laut Bewkes gibt die Eigenständigkeit TWC größere Handlungsfreiheit nicht nur als Pipeline für Unterhaltungsangebote, sondern auch im Wettbewerb um Internetkunden. Mit rund 13,3 Mill. Abonnenten ist das Unternehmen nach Comcast der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber der USA. Obwohl TWC einen breiten Erlösstrom generiert, sehen Analysten die künftige Schuldenlast von mehr als 23 Mrd. Dollar als großes Handicap in einem Wettbewerb, der laufend härter wird. TWC konkurriert nicht nur gegen andere Kabelnetzbetreiber, sondern auch gegen zwei große Satelliten-TV-Anbieter sowie gegen den Telefonriesen Verizon.

Mit der Aufspaltung verringert Time seine Schuldenlast um gut ein Drittel und füllt die Kasse auf. Analysten fordern als nächstes den Verkauf von AOL. Welchen Wert die Internettochter allerdings hat, ist schwer zu schätzen. Bei ihrem Wandel von einem gebührenpflichtigen Dienst zu einem werbefinanzierten kostenlosen Internetportal hat AOL stetig mehr Abonnenten verloren, als sie durch höhere Werbeerlöse gut machen konnte.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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