Zahlungsverzug in Griechenland
Siemens muss Tochter stützen

Der klamme Staat zahlt viele Rechnungen erst mit Verspätung - oder erst einmal gar nicht. Auch andere deutsche Unternehmen klagen über die schlechte Zahlungsmoral. Vor allem staatlich getragene Krankenhäuser können seit Jahren ihre Ausstände nicht mehr bezahlen und bieten nun Anleihen an.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Finanznöte des griechischen Staates kommen deutsche Unternehmen teuer zu stehen. In vielen Firmen wird hinter vorgehaltener Hand über die schlechte Zahlungsmoral von öffentlichen Auftraggebern in dem Krisenstaat geklagt. Siemens musste nun sogar wegen offener Rechnungen seine griechische Tochter stützen. "Wir haben 150 Millionen Euro frisches Kapital in das Geschäft gepumpt, um es am Leben zu halten. Es wäre sonst unterkapitalisiert gewesen", sagte Chefjustiziar Peter Solmssen. Die Rückstände belaufen sich bei Siemens auf einen zweistelligen Millionen-Betrag.

Es sind vor allem staatlich getragene Krankenhäuser, die ihre Rechnung zum Teil schon seit Jahren nicht mehr bezahlen. Bayer, Merck und der Gesundheitskonzern Fresenius beispielsweise hatten zuletzt von zweistelligen Millionenforderungen gesprochen. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck nahm bereits Wertberichtigungen von 12,5 Millionen Euro auf Forderungen in Griechenland vor.

Die staatlich getragenen Krankenhäuser bieten den Pharma- und Medizintechnikfirmen nun aufgrund eines Parlamentsbeschlusses Anleihen ohne Zinscoupon an, um die offenen Rechnungen der Jahre 2007 bis 2009 begleichen zu können. Rechnungen aus dem laufenden Jahr, so wurde zugesagt, sollen mit Geld beglichen werden.

Manche Unternehmen haben sich jedoch bereits entschieden, die angebotenen Anleihen zu akzeptieren. So etwa der mittelgroße Arzneimittelhersteller Biotest. Für das Unternehmen geht es bei einem Jahresumsatz von 440 Millionen Euro um die stattliche Summe von 24,7 Millionen Euro. Davon schreibt die Firma 4,8 Millionen ab. Auch Merck und Fresenius haben sich entschieden, an dem Programm teilzunehmen.

Akzeptieren die Firmen die zinslosen Staatsanleihen, machen sie Verlust. Denn sie können die Anleihen derzeit entweder zu einem Marktpreis weit unter dem Nominalwert verkaufen oder sie halten und keine Zinsen bekommen. Akzeptieren sie sie indes nicht, müssen die Firmen weiter auf das Begleichen ihrer Rechnungen warten und riskieren den Ausfall.

Ganz zum Erliegen gekommen sind die Zahlungen aber nicht. So sagte ein Sprecher des Münchener Panzerherstellers Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) gestern, dass das Unternehmen "in den vergangenen Monaten substanzielle Zahlungen erhalten" habe. KMW hatte 2003 die Lieferung von 170 Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 zum Preis von 1,8 Milliarden Euro vereinbart. Doch obwohl die Panzer längst in Griechenland sind, wartete KMW Anfang des Jahres noch immer auf 200 Millionen Euro. Inzwischen hat sich diese Summe auf unter 100 Millionen Euro mehr als halbiert.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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