Zank um Airbus-Sanierung: Alles in bester Unordnung

Zank um Airbus-Sanierung
Alles in bester Unordnung

Im Ringen um die Airbus-Sanierung wird der Ton zwischen Deutschland und Frankreich schärfer: Während die Bundesregierung offizielle Informationen aus Paris über den Abbau von 10 000 Stellen als Spekulation abtut, hat der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère schon mal klargemacht, für wen er zu kämpfen gedenkt.

HB BERLIN/PARIS. „Nach Kenntnis der Bundesregierung sind von der Spitze des europäischen Gemeinschaftsunternehmens EADS noch keine abschließenden Vereinbarungen getroffen worden“, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Dienstag zu Äußerungen des französischen Premiers Dominique de Villepin. Alle Berichte über einen möglichen Arbeitsplatzabbau und Anpassungsmaßnahmen an bestimmten Standorten beruhten lediglich auf Spekulationen: „Es sind noch keine Entscheidungen gefallen.“

Auch der Co-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Thomas Enders, reagierte verwundert auf die Äußerungen Villepins. „Da weiß er vielleicht mehr als ich“, sagte Enders in Hamburg. Die Bundesregierung begrüßte diese „bemerkenswert klare“ Aussage. „Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, woher der französische Ministerpräsident seine Informationen hat“, sagte Steg.

„Allein Sache des Managements“

Enders betonte, die Entscheidungen über das Airbus-Sanierungsprogramm „Power8“ seien allein Sache von Management und Aufsichtsrats des Konzerns. „Die Bundesregierung legt Wert darauf, dass es zu keiner Verwischung oder Vermischung bei den Verantwortlichkeiten kommt“, sagte Steg. Diese Verantwortung „kann und will den dafür zuständigen Managern niemand abnehmen, die Politik schon gar nicht“.

Der Sprecher dämpfte Erwartungen an das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Freitag auf Schloss Meseberg bei Berlin. „Dort wird es keine Festlegungen geben für ein betriebliches Anpassungsprogramm. Das kann und wird nicht Sache der Politik sein“, sagte Steg. Das so genannte Blaesheim-Treffen beider Länder, an dem auch die Außenminister teilnehmen, werde kein „Airbus-Gipfel“.

Die Bundesregierung forderte bei den absehbaren „unverzichtbaren Anpassungsprozessen“ bei Airbus erneut eine gerechte Lastenverteilung zwischen den deutschen und französischen Standorten. „Wir gehen davon aus, dass das bei den anstehenden Entscheidungen auch entsprechend berücksichtigt wird“, sagte Steg. Nach Einschätzung der Bundesregierung seien die deutschen Airbus-Standorte wettbewerbsfähig und produktiv.

Frankreich kommt zuerst

Der französische EADS-Aufsichtsratschef und Großaktionär Lagardère kündigte an, in den Airbus-Sanierungsverhandlungen eine harte Position zu Gunsten der französischen Seite einzunehmen. „Was mich betrifft und den französischen Staat, den ich vertrete, so werden wir die französischen Airbus-Interessen kompromisslos verteidigen“, sagte Lagardère der französischen Tagezeitung „Le Monde“. Frankreich und der französische Rüstungskonzern Lagardère halten 22,5 Prozent der Anteile des europäischen Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS.

Lagardère betonte jedoch, dass er zusammen mit seinem Kollegen Manfred Bischoff alles tun werde, damit sich der deutsch-französische Konflikt nicht weiter verschärfe. Gleichzeitig widersprach er Vorwürfen gegen die Aktionäre. „Hören wir doch mit dieser Scheinheiligkeit auf zu sagen, dass es die Aktionäre sind, die das Programm mit Blick auf die Frage nach der Umstrukturierung der Produktion blockieren. Wenn sie es nicht täten, dann würde auf Gewerkschafts- oder Staatsebene gebremst werden.“

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