Zapf Creation
OP am offenen Herzen

Auf der Hauptversammlung des angeschlagenen Puppenherstellers Zapf Creation führt ein US-amerikanischer Investor den Vorstand und die Aktionäre vor. Wie konnte es dazu kommen? Ein Handelsblatt-Report über Aufstieg und Fall eines deutschen Unternehmens.

RÖDENTAL. Der Mann, an den die Aktionäre die meisten Fragen richten, ist gar nicht erschienen. Isaac Larian, Chief Executive Officer bei MGA und Großaktionär von Zapf Creation, ist daheim in Amerika geblieben. Gleichwohl lässt der Manager an diesem trüben Dienstag auf der Hauptversammlung des traditionsreichen fränkischen Puppenherstellers in Rödental jeden spüren, wer hier jetzt das Sagen hat. Mit einer dürren Erklärung, die er von seinem Anwalt verlesen lässt, teilt er den Zapf-Eigentümern mit, dass er die Firma ohne Rücksicht auf den derzeitigen Vorstand „auf Vordermann“ bringen wird.

Die Aktionäre, die sich im umgebauten Zapf-Logistikzentrum zur alljährlichen Zusammenkunft eingefunden haben, trauen ihren Ohren kaum. Und das nicht nur deshalb, weil Miguel Perez Carballo, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Spanier ist und kein Wort Deutsch spricht, seine Rede auf Englisch hält und sie deshalb simultan übersetzen lässt. Es sind vielmehr die Worte Larians, die dieser aus dem fernen Amerika übermitteln lässt und die eines deutlich machen: dass die Machtübernahme bei Zapf durch einen in Deutschland weitgehend unbekannten amerikanischen Spielwarenhersteller so gar nicht zu der heilen Welt passt, die die Franken den Mädchen in aller Welt verkaufen. Oder anders ausgedrückt: Mit einem Anteil von nur 20 Prozent ist Larian das Kunststück gelungen, die Welt von Baby Born und Chou Chou zu dominieren.

Wer verstehen will, wie es zu dieser Operation am offenen Puppenherzen kommen konnte, der muss zurückblicken in jene Zeiten, als das Zapf-Geschäft mit den meist pinkfarbenen Figuren noch schnurrte.

Es ist ein kalter Winterabend im Februar 2003. Mitten in New York lässt Thomas Eichhorn seine Puppen tanzen. Schon zum dritten Mal bittet der damalige Vorstandschef von Zapf Creation zur „Dolling Party“ auf die Eislaufbahn vor dem Rockefeller Center. Zur Feier des Tages lässt der Puppenfürst den Platz ganz in Pink tauchen. Nebenan bewirtet der Manager seine wichtigsten US-Kunden im Rock Center Café. Gerade findet die amerikanische Spielwarenmesse statt, und das aufwendige Spektakel hat nur einen Sinn: Die Einkäufer der US-Handelsketten davon zu überzeugen, die deutschen Puppen in ihre Regale zu stellen.

Es läuft gut für Zapf, im Jahr zuvor sind die Einnahmen in Nordamerika um mehr als die Hälfte gestiegen. Jeder fünfte Euro, den das börsennotierte Unternehmen einnimmt, stammt zu dieser Zeit aus den USA und Kanada. Die Puppen von Zapf sind bei allen größeren US-Handelsketten zu bekommen.

Doch Eichhorn hat noch mehr vor: In der Heimat der Barbie will er den Marktanteil von sechs auf zehn Prozent steigern.

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