Zastava-Werk
VW zeigt Interesse an serbischem Autohersteller

Volkswagen´denkt über eine Montage seiner Fahrzeuge in Serbien nach. Eine VW-Delegation hat sich kurz vor Ostern das Zastava-Montagewerk in Kragujevac rund 130 Kilometer südöstlich von Belgrad angesehen, das der serbische Staat privatisieren will.

DÜSSELDORF. Der Verkauf des serbischen Autobauers Zastava stößt auf unterschiedliches Interesse. Volkswagen denkt über eine Montage seiner Fahrzeuge unter eigener Regie in Serbien nach. Eine VW -Delegation hat sich kurz vor Ostern das Zastava-Montagewerk in Kragujevac rund 130 Kilometer südöstlich von Belgrad angesehen, das der serbische Staat privatisieren will. Auf Anfrage des Handelsblattes sagte ein Volkswagen -Sprecher, es sei noch nichts entschieden: "Wir werden das prüfen."

Der US-Autokonzern General Motors (GM) schloss dagegen einen Kauf auf Anfrage kategorisch aus. "Wir haben nicht die Absicht, das Werk zu kaufen", sagte ein Sprecher von GM Europe. Ab September fertigt Zastava in Lizenz das Opel -Modell Astra für den serbischen Markt. Spätestens 2012 sollen 10 000 Stück pro Jahr montiert werden.

Zastava gehört zu 99,9 Prozent dem Staat Serbien. Der will sich von 98,8 Prozent der Anteile trennen. Gebote müssen bis zum 15. April eingehen. Zum Zuge kommen der Ausschreibung nach nur Autohersteller oder finanzkräftige Investoren. Interesse bekundet hatten GM, Fiat, Ford, der indische Autobauer Tata und sein chinesischer Konkurrent FAW. Bekannt geworden ist Zastava durch das Modell Yugo. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs liefen Ende der 80-er Jahre jährlich 200 000 Fahrzeuge vom Band. Bereits seit den 50-er Jahren kooperiert das Unternehmen mit dem italienischen Hersteller Fiat. Aktuell produzieren die Serben den Fiat Punto, der als Zastava 10 auch nach Russland exportiert wird. Fiat gilt aus Sicht des Staates als idealer Käufer.

Während des Balkankonfliktes in den 90-er Jahren wurde das Werk in Kragujevac schwer getroffen. 2007 produzierten 4 000 Mitarbeiter nicht einmal 25 000 Autos. Aus VW -Kreisen war zu hören, die Produktionsanlagen seien veraltet. "Das wäre wie eine Neuinvestition", sagte ein VW -Manager über eine mögliche Übernahme. Der Kaufpreis dürfte wenige hundert Mill. Euro betragen. Im vergangenen Jahr verkaufte der VW -Konzern von seinen Marken VW, Skoda, Seat und der Premiumtochter Audi 8 037 Autos in Serbien. Insgesamt wurden gut 52 000 PKW in Serbien verkauft.

"Der serbische Markt kann mit 7,5 Mill. Einwohnern und jährlichen Verkäufen um die 50 000 Autos niemanden wirklich zu höheren Investitionen reizen", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Car-Instituts der FH Gelsenkirchen. Den einzigen Wert misst er dem Zugang zum boomenden russischen Markt zu. "Wenn es den Serben gelingt, den russischen Markt ohne Zölle zu beliefern, haben sie einen Wettbewerbsvorteil, den keiner im EU-27-Raum erzielen kann", sagt Dudenhöffer. Selbst das für viele Hersteller derzeit als Produktionsland interessante Rumänien bliebe im Vergleich uninteressant.

Dazu müsste allerdings der serbische Staat sein Freihandelsabkommen mit Russland auf Automobile ausdehnen. "90 Prozent der Waren unterliegen dem Freihandel, Autos sind aber nicht dabei", sagte ein Sprecher der Deutschen Botschaft in Serbien.

Angesichts satter Märkte im Westen setzen die Autokonzerne auf Wachstum im Osten, vor allem in Russland. VW eröffnete im vergangenen Dezember ein Werk in der Nähe von Moskau, Renault unterzeichnete im März eine Kooperation mit dem russischen Autobauer AvtoVAZ. General Motors ging vergangene Woche ein Joint-Venture in Usbekistan ein.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%