ZDF-Dokumentation Der schrecklich zerstrittene Porsche-Clan

Die Familien Piëch und Porsche beherrschen Deutschlands größten Konzern Volkswagen gemeinsam, sind jedoch untereinander zerstritten. Eine Dokumentation liefert Einblicke in einen der reichsten Clans der Republik.
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ZDF-Dokumentation: Familien Piëch und Porsche beherrschen Volkswagen gemeinsam Quelle: dpa
Ferdinand Piëch (l.) und Wolfgang Porsche

Auf dem Autosalon 2016 saßen die Clan-Chefs noch einvernehmlich beieinander - mittlerweile sind sie zerstritten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Dieselabgasaffäre, die im September 2015 losbrach, hat den VW-Konzern schwer erschüttert. Noch immer lastet der Skandal schwer auf der Marke – sogar im Heimatmarkt Deutschland. Bis Ende September hatte Europas größter Autobauer eine knappe Million Autos in Deutschland verkauft, fast zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Brüche, die der Skandal im VW-Riesenreich hervorgerufen hat, sind nicht nur am Absatz sichtbar.

Die jahrelangen Spannungen zwischen den Eignerfamilien Porsche und Piëch haben sich mit dem Skandal entladen. Der jahrelange Konzernpatriarch Ferdinand Piëch, der vor dem Ausbruch des Skandals einen Machtkampf mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn verloren hatte, schoss mehrere Giftpfeile Richtung Stuttgart. In der ZDF-Dokumentation „Deutschlands große Clans: Die Volkswagen-Story“ schießt Wolfgang Porsche zurück. Piëch habe sein Lebenswerk zerstört, lässt der Statthalter des Porsche-Clans ausrichten. Die Konflikte des Clans, die lange im Verborgenen stattfanden, entladen sich mittlerweile in aller Öffentlichkeit.

Dabei bestimmen die zwei Familien seit Jahrzehnten den Führungsstil in Wolfsburg. Auf der einen Seite der familiäre Porsche-Clan, auf der anderen Seite der kühl-technokratische Piëch-Clan – das waren die Pole zwischen denen sich der Weltkonzern bewegte. Die Macher der Dokumentation halten vor allem den Führungsstil von Piëch für eine wesentliche Ursache für den Ausbruch des Skandals. Die VW-Ingenieure hätten schlichtweg Angst vor der Reaktion des mächtigen damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch gehabt. Niemand habe sich getraut, dem mächtigen Patriarchen zu offenbaren, dass man an den strengen Abgas-Anforderungen gescheitert sei.

Ob die Familie Porsche, mit über 50 Prozent größter Anteilseigner von Volkswagen, frühzeitig von der Abgasaffäre erfahren hatte, lassen die Macher offen. Doch in ihrer Dokumentation legen sie ausführlich dar, wie die Gier nach Macht sich durch die Geschichte des Weltkonzerns zieht.

Dabei profitierte die VW-Eigentümerfamilie lange von den klaren Strukturen. In manchen Familienunternehmen streiten sich Hunderte Gesellschafter um ein kleines bisschen Einfluss. Im Fall Porsche sind es deutlich weniger, in der dritten Generation waren es gerade einmal acht. Doch in ihrer Geschichte ging es nie um ein wenig Einfluss, sondern um die Alleinherrschaft – ob in Zuffenhausen oder in Wolfsburg. Es ging um den Sportwagenproduzenten Porsche, aber auch um den Weltkonzern Volkswagen, für den Ferdinand Porsche, Großvater der Streithähne von heute, den Grundstein gelegt hatte.

„Wie eine amerikanische Soap-Serie“ habe sich das Verhältnis der Familien entwickelt, erklärt Wirtschaftsjournalist Georg Meck die Geschehnisse innerhalb der Familie. Von Ehebruch über Adoption, Intrigen bis hin zu zerstörten Lebenswerken ist alles dabei. Und tatsächlich wirkt der Rückblick in die deutsche Wirtschaftsgeschichte wie eine Folge Dallas. Allerdings ist das Geflecht, das den Konzern zusammenhält, auch verwirrend für den Zuschauer. Denn die VW-Familie ist nicht nur schrecklich reich, sondern auch schrecklich kompliziert.

Das Leben des Ferdinand Piëch
1949: Früh übt sich
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Mit Autos kommt er schon früh in Kontakt: Ferdinand Piëch (rechts) mit seinem Großvater Ferdinand Porsche (Mitte). Gemeinsam bewundern sie ein Modell des Porsche 356 Nr. 1.

1963: Einstieg bei Porsche
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Die Leidenschaft ist geweckt: 1963 beginnt der junge Ferdinand Piëch, beim Autobauer Porsche zu arbeiten. Das Foto zeigt ihn 1967 mit Cowboyhut an der Rennstrecke.

1971: Technischer Geschäftsführer bei Porsche
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Bei Porsche arbeitet sich der Maschinenbauer hoch, bis er 1971 technischer Geschäftsführer wird. Hier ist Piëch (rechts) mit Porsche-Pilot Jo Siffert am Rande der belgischen Rennstrecke Spa-Francorchamps zu sehen.

1972: Wechsel zu Audi
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1972 wechselt Piëch zu Audi, zwei Jahre später leitet er bereits die technische Entwicklung – und nur ein Jahr später ernennt ihn der Autobauer zum technischen Vorstand. Hier präsentiert er 1982 eines seiner Prestigeobjekte: den Audi 100.

1988: Piëch wird Audi-Chef
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An der Spitze von Audi angekommen, wird Piëch 1988 Vorstandsvorsitzender. In seine Zeit fällt unter anderem das 25-jährige Audi-Bestehen mit sieben Millionen verkauften Fahrzeugen.

1993: Aufstieg zum VW-Vorstandsvorsitzender
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1993 folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Piëch wird Vorstandsvorsitzender bei VW, den Posten behält er bis 2002. Bundeskanzler Schröder (links) galt für ihn als verlässlicher Unterstützer – beide liebten die Macht.

2002: Wechsel in den Aufsichtsrat
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2002 übergibt Piëch die Geschäfte bei VW an seinen Nachfolger Bernd Pischetsrieder (rechts). Er selbst wechselt in den Aufsichtsrat.

Die Geschichte des Konflikts beginnt mit den Kindern von Ferdinand Porsche: Louise Piëch und Ferry Porsche. Beide zeugen jeweils vier Nachkommen. In dieser dritten Generation entstehen viele Konflikte, die den Konzern bis heute beschäftigen. Alle acht Nachkommen arbeiten zunächst im Familienunternehmen, dem Stuttgarter Autobauer Porsche. Doch die Frage, wer nach dem Abtritt von Ferry Porsche die Leitung des Unternehmens übernimmt, entzweit die Clans. Der Streit endet mit einem gescheiterten Versuch, durch einen Familientherapeuten eine Einigung zu erzielen.

Chef Ferry Porsche entschied den Streit mit einer salomonischen Lösung: Keiner aus der Familie – weder Kinder, Neffen noch Nichten – sollte das Unternehmen leiten, ließ der Gründer-Erbe verkünden. Das operative Geschäft übernahmen externe Manager und die Familie kam in den Aufsichtsräten unter. Eine Entscheidung für den Familienfrieden? Nein, der Streit ging weiter.

„Die Familien haben von der Übernahmeschlacht profitiert“
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1 Kommentar zu "ZDF-Dokumentation: Der schrecklich zerstrittene Porsche-Clan"

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  • ZDF-DOKUMENTATION
    Der schrecklich zerstrittene Porsche-Clan
    von:
    Alexandra Hildebrand
    Datum:
    18.10.2017 09:17 Uhr
    Die Familien Piëch und Porsche beherrschen Deutschlands größten Konzern Volkswagen gemeinsam, doch sind untereinander zerstritten. Eine Dokumentation liefert Einblicke in einen der reichsten Clans der Republik.

    ...................

    Unter der Führung von Herr Piëch da wurden Fahrzeuge getestet und wenn etwas nicht stimmte da wurde kurze Hand der Zuständiger Chef heraus geworfen !!!

    Was ansonsten nicht üblich ist außer man sei gewöhnlicher Mitarbeiter , da fliegt man wenn die Führerende Person Deine Nase nicht gefällt !

    Mit einem Herr Piëch als Chef hätte es den Dieselskandal nicht gegeben !!!

    Und nun sind frühere Optionen von Herr Piëch wonach man VW-Fahrzeuge wie warme Semmeln in Maßen und sofort kaufen könne nicht mehr wahr geworden weil VW eine beliebte Marke ist sondern weil andere auf die Konkurrenten nun zugreifen !

    Und Porsche ? Alleine der Widerspruch von gerichtliche Kämpfe früher zwischen Porsche und AUDI wegen " RS " Buchstaben und jetzt ist jeder dann jedem sein Freund ?

    Na dann kann AUDI in Neckarsulm auch unter Herr Stadler ein neuer Freund von BMW werden und in Neckarsulm Elektroautos für BMW herstellen !


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