Zehn Jahre Airbus A380
„Kein Schnickschnack und an Bord nur kalte Platte“

Vor zehn Jahren hob die A380 zum Jungfernflug ab. Unser Autor erinnert sich: Die Euphorie war riesig, vom besten Flugzeug der Welt war die Rede. Doch davon ist nicht viel geblieben. Eine persönliche Zwischenbilanz.
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MünchenStrahlender Sonnenschein, 50.000 Schaulustige und viel Hoffnung: Als am 27.April 2005 die erste A380 in Toulouse abhob, da war die Euphorie riesig. Von einem großen Aufbruch in der Geschichte der Europäischen Luftfahrt war die Rede, vom Stolz das größte und natürlich beste Flugzeug der Welt gebaut zu haben.

Airbus-Chef Noël Forgeard sah in dem zwölf Milliarden teuren Riesenflieger das Symbol für die neue Macht und Stärke der europäischen Industrie. Das war der Nerv der Zeit. Kurz zuvor hatte Europa eine eigene Währung eingeführt. Der Euro, die A380 – Europa war endlich mal wer in der Welt.

Als ich im Februar 2007 zum ersten Mal selbst mit der A380 flog, da war der Himmel sehr grau. Forgeard hatte man vom Hof gejagt. Die A380 hatte Airbus in die schlimmste Krise seit Gründung des Unternehmens geführt.

Der Grund ist auch heute noch unglaublich: Deutsche und Franzosen hatten beim Bau des Flugzeugs mit unterschiedlichen Softwareprogrammen gearbeitet. Jahrelang, ohne dass es in dem Großkonzern jemandem auffiel. Als die ersten Maschinen verkabelt werden sollten, fiel auf, dass die Leitungen nicht passten. Es folgte ein Krimi aus Intrigen und Machtspielen, die halbe Airbus-Führung musste gehen. Mehr als fünf Milliarden Euro kostete der Kabelsalat an Produktionsausfällen und Strafzahlungen.

Der erste Flug mit dem Riesen war überraschend unspektakulär: Zwei Stunden lang drehten wir eine Platzrunde rund um Toulouse. Das Flugzeug ist groß und entsprechend träge. Von Wasserfällen, Whirlpools oder ähnlichem Schnickschnack war in der Kabine nichts zu sehen. An Bord gab es nur kalte Platte, die Küchen funktionierten noch nicht. Dafür viel Zweckoptimismus: Auch mit den Startschwierigkeiten wird die A380 ein echter Verkaufsschlager. Auf lange Sicht natürlich.

Kurzfristig musste man Kunden wie der Emirates oder Lufthansa erklären, warum sie noch mindestens zwei Jahre auf ihre Flugzeuge warten mussten.

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Die Chinesen beißen nicht an

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  • Ausnahme bestätigt die Regel. Soll heissen, selbst ein blindes Huhn findet ab und zu ein Ei. Die Preis, die Ineffizienz, der Politikhörigkeit und zentralistische Tendenzen, insb. französischer Prägung produzieren aber meistens so etwas wie den A400M, Tiger etc.
    Und mittlerweile ist die ehemalige EADS (heute Airbus) deutlich stärker in Frankreich zuhause als in Deutschland.
    Immer das gleiche, wie in der EU und im EUR ... Deutschland und vor allem seine Bürger fuhren besser in Eigenregie, aber das ist ja nichts wirklich neues ...

  • Habe mehrere Flüge in der A380 gemacht. Leider hatte ich noch nie die so angekündigte gute Erfahrung. Dieses Flugzeug ist furchtbar. Selbst die 747 ist besser. Das Problem ist die Menge der Passagiere. Das ist einfach zu viel um eine angenehme Reise zu garantieren. Da ist mir eine 767 oder 777 wesentlich angenehmer und ich buche meine Langstreckenreisen auch nach diesem Prinzip.

  • Ich fliege regelmäßig mit der A380 und bin in meinem Leben schon mit vielen verschiedenen Flugzeugen geflogen. Von allen Flugzeuegen, die kenne, ist die A380 das Beste. Schon die Economy ist besser als manche Business in anderen. Die 777 sieht dagegen schrecklich alt aus. Natürlich kann man fragen, ob man eine Dusche in der Ersten braucht? Aber dieses Fluzeug ist ein echter Fortschritt und ich hoffe man kann darauf aufbauen.

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